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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1920-08-01 · 3 (8.1920) · p. Seite 78

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
11 (1920)
Issue
3 (8.1920)
Date
1920-08-01
Page
Seite 78 (sequence 24)
Language
German
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78 in ba§ Parteisekretariat hinüber- und herüber zu »vechseln, er ist abkömmlich und anderes mehr. Mit diesen Umständen wird man auch in Zukunft zu rechnen haben. Aber eines wolle er nicht vergessen. Beim Prozeß denkt man allein an den Sieg und mit ihm ist die Verantwortung wie die Sache aus. In der Politik denke man nicht allein an das Durchsetzen seiner Anschauung, benn damit geht die Verantwortung erst an. Und die Verantwortung für viele Menschenschicksale. Wer hier nur daran denkt, sich durchzusetzen, handelt kritiklos und handelt unter jeglicher Kritik. Denn Kritik bedeutet wertmäßige Verarbeitung eines empfangenen Eindrucks. Daß hierbei die eigene Person und die Stellung der eigenen Person ausschaltet, ist doch eigentlich klar, und unbegreiflich wäre es, wenn diesem ersten Prinzip der Verantwortung von gereiften Männern sogar entgegengehandelt werden sollte, unbegreiflich, wie sehr man auch den andern zu begreifen versucht. Nur der geborene große Führer scheidet hier aus, er handelt, weil er muß. Wie wenige aber sind Führer. Ein Soziologe sagt: „Der Führer weiß, daß er ein Führer ist." Man übe Selbstkritik, man versuche, sich zu begreifen; nicht viele tun das, nicht viele wissen, wie sie sind, warum sie so sind, und wieviel sie wert sind. Schon deshalb sind die meisten kein« Führer. Wert, auch hierüber tut Klarheit not. Vor allen Dingen darüber, daß Wert Verpflichtung mit sich bringt, daß er geschaffen und erhalten sein will gegenüber der Menschheit, der Nation, der religiösen Gemeinschaft und so fort. Das weiteste aber ist das wichtigste und wird nur erreicht auf dem Wege durch die andern hindurch. Nur Mensch sein, kann keiner, wie kein Baum nur Baum sein kann, dann wäre er nichts anderes, als ein Umriß, aus dem man den Inhalt nahm. Das alles bedenke man, wenn man wirklich Kritik üben will und nicht vorhat, Tieren zu gleick)en, die niedertreten, was ihnen in den Weg kommt, wenn nicht Herkommen Scheu benahm, so daß man aus Gewohnheit, denn das bedeutet nur zu oft das sehr wohlklingende Wort Tradition, austveicht oder gar seine Verbeugung macht. Wo aber Ueberlieferung besteht, verarbeite man sie, werte sie, auf daß sie neu erstehe und Tradition Iverde. Kritik übe man, wertmäßige Verarbeitung des empfangenen Eindrucks wende nian an und erfahre, daß dann die Tinge neugeschasfen werden. Und anch, daß sie dem, der sie neu schafft, gehören müssen, denn jeder hat letzten Endes nur das als Eigentum,' was er sich erschuf. , Ter aber ist reich, der mit einer solchen Seele, die solcher Wärme . und Kraft fähig ist, an die Tinge herantritt, sich und sie verarbeitet, nch und sie Nxwtet und so Herr wird über sich wie über die Dinge. * * Unter dein gleichen Thema gingen uns philosophierende Betrachtungen von Grete Koväes (Münchens zu, die der Ergänzung des vorstehenden Aussatzes dienen dürften Aus RaUninot niüssen wir ihre Veröffentlichung für das nächste Heft der „Mitteilungen* Vorbehalten. Schriftleitung.

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