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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1920-08-01 · 3 (8.1920) · p. Seite 77

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
11 (1920)
Issue
3 (8.1920)
Date
1920-08-01
Page
Seite 77 (sequence 23)
Language
German
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( — u t — Hieraus ufccr ergibt sich alles weitere. Nötig ist nur, daß man nach den, berühmten Schema verfahre und jeden Begriff entfalte, bis der Sachverhalt klar zu Tage tritt, j So z. B. Eindruck. Bon den tausend Regungen und Strebuigzen, i» denen sich das Leben äußert, geht ein fortwährendes Wirken aus, das uns bestimmt, zu tun, zu unterlassen, das Lust erregt, wenn es .angenehm, Unlust, imm es, ,vas häufiger der Fall sein soll, unangenehm ist. Entgegenkommen vermag es zu fordern oder auch Ablehnung herl<'iz»führen. Nur diese Einwirkung heißt — passiv gedacht — der Eindruck. Leider existieren Menschen, die aber bei ihrer Sicht aus der Froschperspektive Eindruck und Kritik verwechseln, da sic in ihrer Kritiklosigkeit, vor allem sich selbst gegenüber, jeden Eindruck zur Kritik zu erheben Pflegen. Lft aber muß, lvas den ungünstigsten Eindruck bei uns zu erwecken vermag, hochgewertet werden, viel öfter noch jist die Umkehrung dieses Vorganges am Platz, da auch jetzt uoch nicht alles Gold ist, was glänzt. Nein, Verarbeitung ist notwendig. Man verstehe recht, was dieses Wort will, daß es eine Forderung bedeutet. ' Eine Handlung geschieht, und wir nehmen sie lvahr.:, Das ist nicht Verarbeitung, vielmehr hat die deutsche Sprache hierfür das Wort 'Wahrnehmung. Das ist Verarbeitung, wenn man hingeht und ganz zu begreifen versucht, warum und tveshalb und lvozn sie geschieht und so und ebenso und nicht anders geschieht. Es liegt im allgemeinen Konsequenz in den Ereignissen, die Wirklichkeit werden, eine Kette der Wirkungen und Ursachen. Glied dieser Kette Norden, mitschlvingen ihre Schwingungen das nenne ich Verarbeitung und nichts sonst. Alle gutgcwollten und schlechtgekonnten Versuche dienen hier zu nichts als zur Entschuldigung der kleinlichen Aermlichkeit im Seelenleben solche',- Menschen, diean dieser Frage scheitern. Darüber sei man sich klar.! Freilich, immer noch besser eine ärmliche Stube mit blanke» Fenstern »nd sauberem Boden als sine, die voll wäre allen Anstvandes und liegt Staub über dem ganzen. Auch solche Menschen gibt es. Sie vermöchte» Wohl, den anders, zu begreifen, aber >ven» es trotzdem nie geschieht, so unterbleibt ls, weil der Wille ihnen fehlt. Das ist cs und nichts sonst. Man betrachte einmal-die Kämpfe unserer Politik, man betrachte Zionistea und Antizionisten, man könnte lachen, lvenn es nicht so abstoße,d wäre. Wer will denn hier den andern verstehen? Niemand, vielmehr man will ihn nicht verstehen, auch lvenn man tausendmal ihn begreift, man will nicht, denn nian lebt von diesen, Nichtverstehen gnd Nichtverarbeiten. Wie zahllose Juden gibt es, die ja sonst gar nichts wissen, nichts jüdisches, manche auch gar nichts menschliches, als ^ben das eine, jene kärglichen Phrasen nur, die solche Kämpfe gezeugt u^rd ihre Gehässigkeiten geboren haben. Und hier eines unfern Rechtsanwälten in allen Lagern. Es ist richtig, daß der Rechtsanwalt mif am meisten Fähigkeit zum Politiker besitzt. Er ist kampfgeschult er hat das Vermögen, aus seiner Kanzlei

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