Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 11 (1920)
- Issue
- 3 (8.1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 76 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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76 oberflächlich blendend schillernden Wortflut eine Fülle von fpiegelklaren Gedankenwellen, die aber nür dann erkannt iverden können, ivcnn nian den Sprung in die Tiefe wagt. Wir sind natürlich iveit davon entfernt, unter dein Begriff ,.Jüftiidje Kunst" bestimmte Kunstgattungen zu „verjuden". Etwas so Lebensvolles wie die Ktinst sucht sich seinen Ausdruck, wo und wie es kann. Tie Kunst des Wortes, der Gedanken, der Gefühle, Musik und Tanz, kommen dem jüdischen Wesen sehr entgegen. Diese Tatsache weist den Weg, wo wir zunächst jüdische Kunst zu suchen haben. Was jüdische Kunst ist. kann keine Synthese festlegen. Denn jede spezifische Kunst, sei es jüdische, sei es indische, hat in ihren Eigenarten soviel allgemein Menschliches, daß wir mit Recht vielleicht jeder Versteifung auf eine bestimmte Norm entgegenhalten müssen, das; eben die Kunst das Attribut des gesamten Menschengeschlechts, das sie erzieht, darstellt. Unser Judentum selbst hat uns aber die praktische Kunst gegeben, die Kiinst der Masse, die Eigentum und Kleinod eines jeden jüdischen Menschen werden muß, wie sie Allgemeingut der Menschheit werden, soll: die Kunst zu leben, die keine Unproduktivität an der Gemeinschaft znläßt. Paul Eppstein. Kritik ber Kritik. Ein Versuch von * * *. Es scheint der Fluch, es scheint mir aber auch ein Kennzeichen der Jetztzeit zu sein, daß sie nach dem Anfang dürstet, nach Wiederbeginn verlangt. Ein Buch ist geschrieben worden — es ist schon lange, sehr lange her —, und einer, gerade einer, der es noch kennt, der schreibt kritische Abhandlungen hierüber, sagen wir. Max Meyer: „Zn Fritz Müllers Gedanken über Rentabilität, kritische Bemerkungen", und nun iwbt die Geschichte ihren Gang. Max Meyer findet Beurteiler und diese ebenso und müsse» sich gebärden wie Schauspieler vor ibren Gästen, und jeder, der etwas vollbringt, ist ein Hausherr und Schauspieler, und jeder, der seine Tat sieht, ein Gast, den er sich lud, zu Lob oder zu Tadel. Das Ende, qualvoll ist es, denn eine Hochflut bringt es von Büchern, Gedanken, Aphorismen, Sentenzen: die Grundlage des ganzen jedoch, der arme Max Meyer, der des vereinigten Fritz Müller natürlich höchst geistreichen Gedankenban als einziger noch kannle, ist längst tot oder verschollen, vielleicht verstorben in einer Nacht, da er tränmtc, alle diese Bücher, diese Kritiken der Kritik, legten sich auf seine arme Brust, vielleicht, so glaube ich, in dieser Nacht aus Angst hiervor verstorben. Nun gut, auch ich übe Kritik der Kritik, und schonungslos will ich dies sogar tun ... trotz aller Kritiker. Was ist Kritik eigentlich? Obwohl es leichter lväre, festzustellen, >vas Kritik nicht ist und noch leichter, was alles keine Kritik ist, das behauptet, Kritik zu sein, will ich doch positiv antworten: Ich verstelle darunter: die wertmäßige Verarbeitung eines empfangenen Eindrucks.