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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1920-08-01 · 3 (8.1920) · p. Seite 74

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
11 (1920)
Issue
3 (8.1920)
Date
1920-08-01
Page
Seite 74 (sequence 20)
Language
German
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74 plastisch treuen Abbilder ewig unvollkommen bleiben, da sie seelenlos daS lebendige Vorbild zu einem leblosen Gebilde erstarren lassen, das durch den vorgetänschten Eindruck einer Bewegung dein Auge gefällt. Ter Mangel an Technik und Beherrschung des Materials konnte nicht das Seelische und Geistige darstellen. Zu dieser Veräußerlichung der Vollkommenheit des geistigen Gottesbegriffcs in seiner mensch- oder übermenschlichen Hülle kommt noch die Anmaßung, die den Menschen sich unterfangen läßt, seinen Sck-öpfer selbst darzustellen, ohne sich seine Offenbarung in den Schöpfungswerken genügen zu lassen. Tas darf jüdische Kunst nicht. Damit zieht sich der Jude schon aus den bildenden Künsten (Malerei, Plastik, Bildhauerei) zurück. Er baute seinen Tempel einfach und schlicht, ohne in seiner äußerlichen Verzierung ein gutes Werk, einen Gottesdienst, zu sehen. Für ihn nxrr und ist das, was im Tempel lebt, heiliges Freuen am Schaffen seines Gottes, das er lobt und preist in seiner Herrlichkeit im mittelbaren Erfühlen seines Daseins durch seine Werke. Es bedarf nicht einmal der Erkenntnis der wunderbaren Kraft, des Göttlichen im Menschen, uni seinen Schöpfer zu loben, indem es ihm mehr oder weniger zufällig gelingt, die Natur als Schöpfung möglichst wahr nachzuahmen und zu vergeisffgen. Er freut sich unmittelbar am Gotteswerk, olme cs zu reproduzieren. Er malt es in Worten, meißelt cs aus seiner Sprache heraus zu seinen Psalmen, Lobliedern, seinen Gedichten, seinen Dramen. Das große Leid, das in jedem Juden stöhnt, treibt vor allem den Ausdruck seines Erlebens zur Jchdichtung, zur Lyrik, in der es sich auslebt und an der Erfassung großer Menschheitsidealc sich durch das Einzelleid zu einem begeisternden Geineinschaftsglück hinaufläutert. Hat das Ringen sich ein festes Ziel erkämpft, dann tritt es in lebendigen Gestalten auf die Bühne, die in ihrein Zueinander Charakter und Ideen entnückeln, in ihrem Miteinander zu dein persönlich errungenen Ideal oder der Weltanschauung des Dichters führen. Die'Jchdichtung unterliegt dem Einfluß künstlerischen Sehens und Hörens des Ticbters und der Umsetzung dieser persönlichen Fähigkeiten in Wortbilder und Klangfarben seiner Darstellnng. Als jüdisches Moment aus der körperlich-geistigen Verfassung des Dichters treibt ihn seine geschlechtliche Frühreife zu einer sein« Kunst äußerst befruchtenden Erotik. In dem Augenblick, da er aber den, Trieb erliegt, erlischt auch das Urgewaltige seines Ringens zwischen Gefühlsdrang und Veruunftzwang im Sexualproblein. Sobald in ihm der Mensch gegenüber der natürlichsten Beziehung zwischen Mann und Weib stumpf wird, verschwindet auch das Jüdische aus seiner Kunst. Denn — möge auch der Reiz der Problematik manchen nwdernen Juden zur erotischen Dichtung treiben — gar manchen unserer Jungen macht die Eroffk allein zum Dichter, und das Fehlen wahren künstlerischen Erlebens läßt die Schaffenskraft allzubald versiegen, und dann kann auch das epigonenhafte Wortgeklingel und Klang- und Lautexperimenfferen die Lücke nicht mehr schließen. Die

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