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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1920-08-01 · 3 (8.1920) · p. Seite 73

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
11 (1920)
Issue
3 (8.1920)
Date
1920-08-01
Page
Seite 73 (sequence 19)
Language
German
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— |73 — Jübifdjje Kunst. Eine Synthese. In jedem Menschen schläft ein Trieb, sich in schöpferischer Zwiesprache mit seiner Welt auseinarvderzusetzen. Tie Steigerung dieses Triebes durch ein großes Erleben macht ihn zum Produktion Schaffen reif. In der Menschengemeinschaft potenziert sich dieses einzelinenschliche Empfinden zu: einer Kunst,' die den spezifischen Eigenarten dieser Gesamtheit entspricht. In dieseni Produkt aus Geschichte, Kultur, Charakter, aus Land und Leuten — lauter innig miteinander verwachsenen Begriffen — geht das Einzelpersönliche in dem für die Gesamtheit Typischen auf, ohne darin gleichzeitig das Ursprüngliche der persönlichen Eigenart zu ertränken. Kunst ist Ausdruck erlebten Lebens. Wenn auch der Ausdruck subjektiv ist, niemals wird er im großen Hinterxrund ein gemeinsames Erleben, ins Einzelpersönlick)e differenziert, verleugnen können. Damit sei vorläusig die Person des Künstlers hinter sein Werk, in dem sie ruht, zurllckgestellt. Abseits von einer historischen Entwicklung sei es Ausgabe», die posiftve Eigenart jüdischer Kunst als Synchese jüdischen Wesens darzustellen. Kunst ist Ausdruck erlebten Lebens. Jüdische Kunst muß also erlebtes jüdisches Leben und jidisch erlebtes Leben formen. Jüdisches Leben heißt jüdische Religion empfinden, religiös sein, heißt die sinaitische Offenbarung als innere sittliche Notwendigkeit der Lebensführung anerkennen, heißt die jüdische. Sondergenieinschaft unter dem Gesichtswinkel messianischer Menfchheitserlösung betrachten. Jüdisch erleben heißt Aus eben des inneren Gefühls bis ins letzte, Taumel von seelischer Zerrissenheit im Leidfühlen der Verzweiflung zu stolzer Freude in verinnerlichender Selbstarbeit, heißt Zweifeln, Suchen, Ringen, impulsives Erfassen einer Idee, begeistertbegeisternde Betäftgung des Wilslens zur Verwirklichung. Ta ans dem jüdischen Leben unmittelbares jüdisches Erleben fließt, kann nur eine bewußte Erziehung zu jüdischem Wesen ein? jüdische Knnst gelüsten Ihre Erscheinungsform muß die unmittelbarste sein. Sie kann handwerksmäßige teck)nische Aus- und Vorbildung in der Bearbeitung bestimmten Materials (Stein, Farbe) nicht dulden, da sie in elementarer Gewalt aus dem Jnyern bricht und sich dem Formen der Hand entwindet.' Sie muß der Idee natürlichstes Gewand schenken: Im Wort. Jüdische Kunst ströcht im Wort, in der Sprache, in der Beschreibung mit Worten, in dev Dichtung, in der Literatur. Schon der Sam melde griff Literatur bedeutet Verflachung. Die Kunst des Wortes ist die Dichtung. Denn das Verbot des Gottbildens, aus dem sich die Mensckcheit künstlerisch entwickelt hat, verbiisdet sich mit 8er natürlichen Scham vor dem äußeren Reiz einer nagten Statue, die in der beschränkten Darstellung körperlicher Schönheit der vergeisftgten Auffassung des jüdischen Menschen entgegensteht.! Wenn auch die Freude am Schönen das Nachbilden der Werke Gotkies erklärt, so müssen diese noch so

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