Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 11 (1920)
- Issue
- 3 (8.1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 69 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Zustand eintritt. in dem die Bewegung nur noch vorhanden ist. weil sie eben schon existierte und weil die ihr entgegenstehende Reibung nicht die Größe besitzt, daß sie den Gang völlig hemmen könnte. Ich will das Bikd verlassen. In der Entwicklung der übermenschlichen Einheiten, die wir. Völker nennen, kommt immer ein Augenblick, in dem sie nicht mehr unter dem Zwange ihrer Wesensnotwendigkeit Ausdruck ihrem «Peinsinhalt zu geben genötigt sind, und so Werte, Kultnren schaffen,! sondern, wenn noch etwas bei ihnen und von ihnen geschieht, so entspringt es der Trägheit, folgt der Gewohnheit, wird gelebt, weil man es braucht, nicht weil map müßte, auch wenn man es nicht brauchte. Wie ein Kunstwerk die Einheit darstellen muß aus Inhalt und der dem Inhalt gleichwertigen Form, und wie verächtlich jene Fabrikware erscheint, die, mechanisch hergestellt. Form ohne Inhalt ist, so auch in, allgemeinen Vorgang der Menschheitsgeschichte, wo Inhalt und ihm adäquate Form Kultur ergeben, wo aber die Form allein, geistlos geworden, mechanisiert, vervielfältigt. abgezogen und umgedeutet und selbst in das Endlose vergröbert, nie Kultur wrrd und immer nur das eine erweist: Zivilisation., Spengler behauptet vom Abendland, daß es Zivilisation sei, Formengebilde, starr, geistlos geworden, daß es schaffe aus Gewohnheit, aber nicht aus einem seelischen Imperativ, nicht aus einen: tiefinnersten, soll ich sagen tiefinmgstem Zwang. Und wenn man sich umsieht, wenn man mit verstehenden Äugen prüfende Umschau hält, so packt einenxsvohl das Gefühls daß Spengler im Rechte ist, daß er die Wahrheit kündet, tausendmal die Wahrheit. Hohlheit ist rings und nicht Fülle, Nichtigkeit an Stelle der Wucht, und Angst herrscht vor den Führern, Pathetik gellt, da das Pathos verstummt ist, und Sentimentalität schwingt krampfhaft harmonisch, wo einst Gefühl zur Tat jagib, mit glühender Inbrunst. Gesellschaft ringswn, diese Tünche, die man über die Maichrn der Gemeinschaft strich, und die blieb, als die Gemeinschaft verfiel. Wir aber "spötteln und finden . uns ab, Ivenn wir uns nur einen Schritt weiter davon entfernt dünken ajß die Mehrheit der übrigen, oder... Ter Untergang des Abendlandes und wir... > Als ich Spenglers Buch laß und nochmals las, da sagte etwas in mir nein und abermals nein, und das Stimmenmeer wurde lauter und lauter. Schließlich aber verstand ich es: daß wir Juden hier ein anderes Erleben haben als die Menschen des Abendlandes, da wir erst vor hundert Jahren aus dem Ghetto, aus unserem Land«,