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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1920-08-01 · 3 (8.1920) · p. Seite 68

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
11 (1920)
Issue
3 (8.1920)
Date
1920-08-01
Page
Seite 68 (sequence 14)
Language
German
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68 Der Untergang des flbenblanbes und wir. Es ist das nicht die Absicht, daß hier Kritik geübt werden soll an Oswald Spenglers Buch „Ter Untergang des Abendlandes", auch nicht, das nachzubeten, was in diesem enthalten ist. Hier handelt es sich einzig und allein darum, auszudrückcn, was mein Erlebnis wurde, als ich das Buch schon Monate gelesen hatte. Damals wuchs einzelnes auf, blieb bestehen und hob sich mit den vollen Lichten und Schatten alter Holzschnitte von deni verworrenen Hintergründe ab. Es tnar nicht umkleidet von der Angst, die so viele packte, als Spenglers Gedankenwelt sich vor ihnen auftat, von einer Furcht, die sich frostig um den Körper legt, daß Schauer über ihn kriechen in ihrer Umarmung. Hier will ich es nun sagen, ohne Rücksicht darauf, wie weit meine Darstellung sich mit Spengler deckt, noch wo sie abweicht, noch ob sie mit tausend anderen Anschauungen im Einklang steht, vielmehr einzig bestinimt von der Erwartung, daß junge Menschen ihr Erlebnis dem meinen entgegenhalten werden zum Widerstreite der Gedanken. Ich will mit folgenden! beginnen: Angenommen, ein Lebcnsstrom durchfließt alle Dinge, er trägt in sich bereits die natürliche Gestaltung der verschiedenen Wesenheiten, deren schöpferische Entwicklung also letzten Endes nur eine Ausbildung der Ansätze tväre, so sind die Mensckicn, gleichgültig ob als Einzelindividuen oder ob zu größeren Einheiten zusammengeschlossen, Gebilde gleichviel welcher Art, nur eine bestimmte Aeußerungsart dieses Lebeitsstromes (£lan vital), die, als besondere Wesensnotwendigkeit, als Folge ihrer Bestimmung das sie durchflutende Geistige bildhaft ausdrücken müßte. Ter Ausdrucksmöglichkeiten hierbei sind zahllose, in dem Bereiche des Staates, der Kunst, der Wissenschaft oder, und das ist eigentlich das häufige und gewöhnliche, in jeder Geste unseres ganzen Seins leben sie und werden sie erlebt. Nun ist überall in der Welt ein Prozeß vorhanden, den man ganz kurz das Altern nennen darf. Schon der Uebergang vom embryonalen Zustand zur früliesten Kindheit ist altern. Wie eine Kurve mit steigender und fallender Linie stellt sich die Bewegung dar, erscheint wie ein allmähliches Anschwellen, dann aber Versagen des Lebensstromes, ein Steigen. Schwächerwerden und Ermatten, wie wenn sich einer ausgab und immer mehr ausgibt, bis schließlich der

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