Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 11 (1920)
- Issue
- 3 (8.1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 66 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Licht, das uns in iolcher Fülle entgegenstrahlt,". Als aber Gott, der Unfaßbare. Kräfte aus sich ausgehen lassen wollte, damit er durch diese erkannt werde, oder, wie der Zohar sich ausdrückt, damit der Leuchtturm an seinen Lichtstrahlen erkannt werde, mußte das unendliche Wesen sich zuerst manifestieren. Als der Verborgene der Verborgenen sich manifestieren wollte, niachte er zuerst einen Punkt. So lange dieser Lichtpunkt noch nicht aus seinem Sck>oße hervorgegangen war, war der Unendliche noch unbekannt und verbreitete kein Licht. lZoharBereschith). Ausdiesem llrpunkt emanieren rann die 10 Spl)ären und verbinden, wie, die jüdische Mystik sich ausdrückt, „die untere Welt" mit „der oberen". So unendlich erhaben und unfaßbar ist Gott für den Menschen, daß er sich selber beschränken muß, unr dem beschränkten Menschen faßbar zu werden. — Tie zehn Sphären, durch die sich das unendliche Wesen begreiflich macht; werden in doppelter Meise vonr Zohar aufgefaßt. Sie sind cntiveder nichts tveiter als die Mittler zwischen Gott und Mensch oder Gott und Welt, oder aber sie sind die Attribute, durch die Gott erkannt ivird. Ter letzte Gedanke begegnet »ns an unzähligen Stellen des mystischen Buches. Nur durch die Attribute Gottes kann der Mensch Gott begreifen, nur durch seine Werke ihn erfassen. So ist also die Gottheit das an und für sich seiende, ewige, allumfassende Urwesen, die immanente Ursache alles Seins, für die der Gedanke kein Matz, die Sprack-e kein Wort hat. Tie Sphären aber sind die „Gefäße des Unendlichen", die Erscheinungsformen des Ewigen. Ilnd der Zohar weiß, daß diese Kräfte gewissermaßen einen Baum bilden, dessen Wurzeln in der Erde geborgen sind, dessen Krone aber in der Gottheit mündet. Und wie die Engel auf der Jakobsleiter hinauf und hinabsteigen, so steigen Kräfte vom Menschen auf zu Gott und kehren verklärend wirkend zum Menschen zurück. Toch der Impuls muß vom Menschen ausgehen. Wie nach denn Wortlaut von Genesis II. 6 der Wolkendunst zuerst vom Boden ausstieg und dann das Regenwasser sich vom Himmel ergoß, und belebend ivirkte' für die Erde, so müssen die Kräfte religiöser Sehnsucht sich vom Menschen emporschwingen zuin Göttlichen. Und also ringt sich der nach religiöser Erkenntnis strebende Mensch zur Gottheit empor, und die Gottheit steigt von ihrem Weltenthron zum Menschen nieder. Tem Menschen ivird im Zohar ein hoher Rang eingeräumt. Er ist die Krone der Schöpfung. Wie ein König erst seinen Palast betritt, um ihn zu bewohnen, wenn er vollendet dasteht, so hat der erschaffene Mensch erst die Welt betreten, als sie vollendet war. „Der Mensch ist zugleich Inhalt und höchste Stufe der Vollkommenheit: deswegen ward er erst am sechsten Tage erschaffen. Sobald der Mensch geschaffen lvar, war alles vollendet, sowohl die obere als die untere Welt. Tenn alles ist im Menschen enthalten (Zohar Wajikrü)." „So ist der Mensch nicht nur die Krone der irdischen Welt, sondern auch r