Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 11 (1920)
- Issue
- 3 (8.1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 62 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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62 auch würdig sind. Ihnen gebe ich vor denen in Palästina entschieden den Vorzug. ' Ferner mutz ich der von Ihnen ausgestellten Forderung widersprechen, datz wir alle Prägungen jüdisch-palästinensischen Geistes, soweit fitf höchste Matzstäbe ertragen, unserem ganzen Sein genau io ernverleiben müßten, wie die höchsten Werte unseres heimatlichen deutschen Kulturkreises. Diesen Satz kann ich nur insoweit gelten lassen,' als er sich auf Gcistesschöpsungen erstreckt, die über den jüdisch-palästinensischen Kulturkreis hinaus allgemein menschliche Beachtung beanspruchen können. Tinge von bloß palästineüsischer Lokalbedeutung dürfen uns natürlich nicht in diesen: Maße kümmern. Aber selbst in dieser eingeschränkten Bedeutung möchte ich Ihren Satz nicht als offizielle Auffassung des Verbandes durchgehen lassen.. In der Oeffentlichkeit wird mit programmatischen Erklärungen nur zu leicht Mißbrauch getrieben. Man liest Tinge heraus, an die der Urheber der Erklärung selbst nicht gedacht hat. Umsomehr ist hier Vorsicht geboten, damit wir uns nicht sagen lassen müssen, das „Palästinensischc" stehe für uns an Bedeutung mit dem deutschen in jeder Beziehung auf einer Stufe, eine Auffassung, die ich für meine Perwn zurücklveisen mutz. Demnach stimme ich mit Ihnen in der warmen Sympathie für die palästinensischen Bestrebungen überein, bin auch damit einverstanden, daß der Verband allen Mitgliedern eifrige Mitarbei: bei allen auf Schaffung einer Heimstätte für die wurzellosen Teile des jüdisck^n Volkes in Palästina gerichteten Bestrebungen ans Herz legt. Dagegen kann ich es nicht guthcißen, daß unser Verband als solcher größere Mittel aufbringt oder so iveitgehende ideelle Anteilnahme enrpfiehlt, wie es in Ihren Zeilen geschieht. V. H. Erez Israel! Ich soll Stellung nehmen zu den Worten Ephraim Aschkennsis in der letzten Nummer unserer „Mitteilungen" über Palästina. Will man das tun. so ist'S gut, sich zunächst einmal klar zu sein über die Tati'acl-enfolge, die zum heutigen Stand der Tinge in Palästina führte. Zuerst wurden die Ansprüche des jüdischen Volkes aus Palästina feierlich anerkannt in der Balfourschcn Erklärung vom 2. September 1917, dann bestätigt von dem Fllnferrat der Friedenskonferenz in Paris im Februar 1919 und schließlich verbrieft und dem Frie-