Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 11 (1920)
- Issue
- 2 (6.1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 45 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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45 handene Bewegung zu fördern und zu gestalten, sie zu organisieren-- Das ist die innere Voraussetzung für den'Verein. Bewegung und Verein bedingen sich wechselseitig. Tie Belycgung in höchster Vollendung könnte allerdings ohne Verein bestehest, niemals aber der Verein ohne Betvegung. Sonst würde er zu einer zufälligen Organisation mit Tageszwccken, nicht aber die Organisation einer Bewegung mit tiefcni feeltfdjcn Gehalt. Tas Tatsachenmaterial könnten wir zuin Teil auch in anderen geistigen Vereinen finden. Aber wir unterscheiden uns von anderen „Vereinen" dadurch, daß wir nicht zufällig, sondern notwendig und innerlich bedingt sind, und dadurch bewähren wir unser Tascinsrecht. Jugendvcreine und Iugendverhand sind Verkörperung des großen Ringens nach Neuem um uns und in uns. Sie sind nicht letztes Ziel, aber Mittel zum Höchsten, zum Leben selbst. Tas Erlebnis ist Grundlage, der Verein ist Weg. das Leben, ist Ziel. Diese Bedeutung des Vereins wird häufig übersehen. Wir bleiben im Kleinlich-Organisatorischen, im Zeitgebundenen und Engpersönlichen stecken. Gewih ist die Vereinsorganisation, sind die tausend bedrückenden Kleinigkeiten des Alltags von grundlegender Wichtigkeit. Deshalb dürfen sie nicht als nebensächlich beiseite gelassen werden, sondern sie müssen gut und gewissenhaft, aber rasch und geräuschlos erledigt und überwunden werden. Man darf nicht stehen bleiben bei dem Vielzuvielcn, sich nicht darin verlieren auf Kosten der Reinheit und Natürlichen Unmittelbarkeit des Empfindens. Tie Kräfte müssen frei lverden zu Höherem. So wie wir im Leben nur durch restlose Beherrschung des Alltags den Aufschwung finden zur Betätigung unseres wahren Seins, so beginnt erst nach einer glatten Erledigung des Alltäglichen die wertvolle Veretnsarbeit. Es liegt an jedem von uns, wieviel wir zu ihrer Durchführung beitragen. Tie Fülle der dazu vorhandenen Möglichkeiten ist groß und ist uns von unseren Führern oft genug gezeigt worden. Wir müssen sie nur mit jugendlichem Geist und mit Leben durchdringen. Vor einer Gefahr müssen wir uns dabei hüten: durch großtönendes, anspruchsvolles Proklamieren der Idee den Boden des Tatsächlichen zu verlieren. Tie Verwirklichung dxr Jdbe, auf die allein es ankommt, liegt nur in der Tat, in der vom Erlebnis, be-.- dingten, also innerlich notwendigen Tat. Jede Tat, die wir restlose tun und für die wir uns ganz einsetzen, ist gut. Die Erfüllung liegt in harmonischer Verbindung von Idee und Tat, von Erlebnis und Organisation, Bewegung und Leben. ElsäGlauber, Dresden.