Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 11 (1920)
- Issue
- 2 (6.1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 44 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Immer ist die Jugend Träger des Neuen.. Auch wenn unser Neues in seiner einmaligen Erscheinungsform wieder überholt wird, so war cs doch notwendiges Glied einer großen Kette innerer Zusammenhänge, mag es revolutionär oder evolutionär sich aus dem Vorangdgangencn gestaltet haben. Es bleiben in dem, was wir schaffen, doch EwigkeitsN'erte zurück, die alle zeitgebundene Entwicklung überdauern. Eine große und schöne Verantwortung ist in unsere Hände gelegt, deren wir uns würdig enveisen müssen. Man lvartet auf uns, wir müssen bereit sein! Jeder einzelne von uns kann und mntz mittun an dem Werk des Aufbaus, denn zeder ist mitten hineingestellt ins Leben. Gewiß, alle trägem die Voraussetzung zur Jugendbewegung in sich, aber viele wissen und fühlen cs nicht. Sic müssen zur Erkenntnis ibres wahren Wesens und ihres Weges erst erweckt werden: nein, sie niüssen selbst aufwacken und smnnen vor der Fülle von Möglichkeiten in sich. Aber wann .werden all die vielen von nns die Augen öffnen, die ihre Bestimmung als junge Mensck-cn nicht bewußt in sich tragen? Alle, denen man nicht mit ein paar Worten das Erleben des Jungseins nahcbringcn kann, weil sie es nicht selbst fühlen als inneren Drang, twü sie nickt durchglüht sind von tiefer Sehnsucht nach Neuem, nach Leben und nach den letzten Tiefen des eigenen Ich? Tie allzu Satten, allzu Bequemen in unseren Reihen? Um den vielen, die diesen Weg nicht allein finden, dazu zu helfen, um Schlummerndes zu wecken und zu fördern, uni das schon Vorhandene zu betätigen und vor allem das Erlebnis auszulösen, dazu ist der Jugendverein da. Dort finden sich viele zusammen, die gleiches suchen oder nicht suchen, gebende und nehmende, ringende und verstockte Menschen. Auch diese dürfen wir nicht von uns weisen, denn auch auf sie wartet man. Ohne Ueberhebung, mit Nachsicht, aber unerbittlich streng müssen wir sie zum Erwachen führen und ihnen geben, was zu geben in uns gelegt ist. Istdoch unser aller Ziel gemeinsam: ein lebensvolles Auswirken des höchstgesteigerten Ich. Es liegt an jedem einzelnen von uns, und jeder ist dafür verantwortlich, wie weit die Durchführung gelingen wird oder nicht. Härten wir alle das Erlebnis des Jungseins so stark und rein in uns, daß unser.Dasein davon erfüllt, unser Tun dadurch bestimmt würde, io, daß wir mit all unserem Sein es auswirkten und in Lcbenswert es umsetzten, dann bedürfte es vielleicht keines Vereins, dann müßten ja nicht schlummernde Kräfte erweckt, müßte nicht Verschiedenes zu gleichen Zielen gesammelt werden, weil das Streben allen gemeinsam und die Brücke von Mensch zu Mensch ohne weiteres vorhanden wäre. Aber weil es nicht so ist, weil wir weit davon entfernt sind, deshalb brauchen wir Verein und Verband, um eine vor-