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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1920-06-01 · 2 (6.1920) · p. Seite 43

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
11 (1920)
Issue
2 (6.1920)
Date
1920-06-01
Page
Seite 43 (sequence 17)
Language
German
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43 Crlebnis und Organifation. Durch die gesamte deutsche Jugendbewegung geht in letzter Zeit ein Drang nach Verjüngung, eine Sehnsucht nach Neuem. Auch wsr werden von diesem Strom irgendwie berührt, auch wir ahnen dunkel die Notwendigkeit, für eine Neubelebung und Verinnerlichung unserer Bewegung/ Doch einzelne nur sehen klar, wohin der Weg führt und wie er sich gestalten wird. Aber wir alle, wir dürfen nicht länger uns tragen lassen von dem verführerischen Schein einer dunklen Ahnung, dürfen nicht länger tatenlos abwarten, wohin es uns treibt, in der beruhigten Gewißheit, daß auch ohne unser Zutun irgendetwas kommen und uns vielleicht mitrcißen wird, oder gar in der Hoffnung, daß cs uns nicht mitreißen, nicht berühren wird. Die Zeit fordert gebieterisch eine Entscheidung, fordert Tat. Jeder neue Tag beweist uns, daß das müßige Zusehen nicht länger geht, daß man auf uns wartet und daß, wir die Gestaltung unseres Daseins in Händen haben. Daß wir nur schwer den richtigen Weg erkennen und auch im Vereinsleben reckst selten Erfüllung finden, geschieht zum großen, Teil, weil wir in unserer Stellung zu Jugendverein und. Jugendbewegung leicht von irreführenden Voraussetzungen ausgehen und dadurch auf falsche Wege und zur Verkennung bestehender Tatsachen gelangen. Entweder wir empfinden Jugendbewegung als einen Zwäng, der uns gewaltsam, von außen her, durch den Jugendvcrein auferlegt wird, und dem wir uns deshalb entziehen, oder aber wir lösen den Verein völlig lös vom Begriff der Jugendbewegung und sehen in ihm nur irgend einen Verein mit geistigen und geselligen Zielest, einen großen Apparat, der eine Zufälligkeit bedeutet und Selbstzweck 'ist. Der Verein wird uns zur bloßen Organisation. Wir stellen die Or- ' ganisation in den Vordergrund und vergessen, daß sie nur untergeordnetes Mittel ist: wir vergessen, was organisiert werden soll. Wir . lehen die Form ohne Gehalt, die Schale ohne Kern. Der Kernstst das Erlebnis des Jungseins, ist das Jungsein von innen heraus., als Notwendigkeit, als Lcbenselement. Es ist die Kritik am Bestehenden, ein kraftvolles Ringen um das Bestehende oder ein sehnsüchtiges Suchen nach Neuem. Jugendbewegung ist das Betätigen des Jungseins. Sie tritt nicht von außen an uns heran, sie wird nicht „gemacht", sondern m° jedem von uns liegt die Möglichkeit, folglich die Notwendigkeit dazu'. Wir alle sind jung und haben die Pflicht zum Leben, und Jugendbewegung ist Leben, ist bewußtes Auswirken des Ich. Tie Voraussetzung zur Bewegung ist da. sie muß pur erkannt und ausgeschöpft werden! Wir müssen schöpferisch sein, tpir müssen das Neue wollen, es bejahen und gestalten, zielbewußt ustd ohne Ueberschwang. 1

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