Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 11 (1920)
- Issue
- 2 (6.1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 42 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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42 fern das Wort von der „Gemeinschaft" aus der Seele, und ihr Auge leuchtete beim Erklingen dieses Worts als williger Spiegel dieser Beseeltheit. Naturfrcudigkeit, geeint mit dem Glauben an die werdende Gemeinschaft der Menschen und Völker und an die Berufenhcit der heutigen Jugend zur Schaffung dieser höheren Bindungen, gibt dem Wesen dieser jungen Wanderer etwas Zwingendes, Sieghaftes. Tah aber nicht etwa nur einige Ausgewählte, durch Zufall oder Absicht nach Nürnberg verschlagen, von dieser neuen Art und Geistigkeit sind, das zeigte mir ein Heim-Nachmittag bei der Würzburger Wandergruppe, dem ich ans der Rückfahrt von Nürnberg beiwohnen durfte, und der für mich eine Vertiefung des Nürnberger Erlebnisses bedeutete. Ta sah ich, daß nicht nur die jungen Führer Alfred Kahn, Ludwig Anfänger, Alfred Rosenkranz und der gleich geartete Münchener Albert Gerstle Typen der „Gemcinschaftsmenschcn" darstellen, sondern daß uns da auch aus der Masse eine Jugend von wahrhaft tugendhaftem Wesen heranwächst, — freundlich und freudig, klar und wahr. Und jüdisch?? Ja doch; denn nicht wenige kommen von der allgemeinen deutschen Wanderbewegung her zur jüdischen Jugend als zu den Stammverwandten und aus ihrem Munde dringt oft die Frage nach dem Lebten, Ewigen, und sie wollen die Beziehungen zum Göttlichen auf den Pfaden der jüdischen Religion suchen. Manches Beachtsame wäre noch von der Konferenz in Nürnberg zu künden, vom frischen Regen in den kleineren Gemeinden und von den Wechselbeziehungen zwischen unseren Jugendvercinen in Stadt und Land. Doch uns dünkt es das Wichtigste für die Verbandsleitung zu sein, aus diesen wesentlichen Erscheinungen bei der Nürnberger Tagung die nötigen Folgerungen zu ziehen. Sie scheinen mir zwingend aus den» Verlaufe der dortigen Aussprache sich zu ergeben. Dem Jugendgeiste muß in allen unseren örtlichen Organisationen Raum gegeben werden, und wo er durch den trägen Trott in der Gewohnheit ausgefahrenem Geleise im Tämmcrschlafe liegt, muß durch suggestive Naturen, zumal aus der Reihe der Wanderführer, für die erforderlichen Stimulantien gesorgt werden. Daraus aber ergibt sich das Losungswort für den Gesanitverband, beute und für künftige Feiten: „Jugend voraus"! Frankfurt a. M. 1. Juni 1920. r>r. Gustav Löffler.