Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 11 (1920)
- Issue
- 2 (6.1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 36 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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einen Augenblick zögern, unsere schwachem Kräfte sür^eine neue jüdische Gemeirrsclx>st an der Stätte zu regen, die jedem selbstsicheren Juden in irgendeiner Form heilig ist?! Wie aber kann unser „neutraler" Verband seine Teilnahme an dem Neuen, das in Palästina wird, tätig zum Ausdruck bringen? Kann er's, ohne gerade dabei doch ins Drahtverhau der politischen Parteien oder in die Fänge ihrer Vorposten zu fallen? Zweifellos bieiet sich dem klaren, von Gunst und Mißgunst nicht verbogenen Willen ein gerader Weg, der unser jüdisches Solidaritätsgefühl sich answirken läßt, ohne daß es den Umweg über alten oder "neuen Jischub, über Zionismus oder Agudoh^ zu nehmen brauchte. Wir leihen unsere Hilfe nicht einer Partei, sondern Institutionen, die der Gesamtheit der palästinensischen Juden dienstbar, sein wollen und werden. Wir denken an technische Schulen, industrielle Unternehmungen, wissenschaftliche. Einrichtungen oder aber landwirtschaftliche Siedelungen. Der Möglichkeiten zur Hilfe sind also viele. Hier wird es in praxi sich darum handeln, von Verbandswegen eine größere Summe flüssig zu machen und sie cm Stellen anzuseben, die dem Argivohn von Partciunternehmungen entzogen sind. Wir können aber noch in ganz anderer, ideeller Weise dem jüdischen Leben an heiliger Stätte dienstbar sein, indem wir allen Prägungen jüdischpalästinensischen Geistes auf literarischem, künstlerischem, sittlichem Gebiete, soweit sie wirklich höchste Maßstäbe ertragen, unsere Beachtung schenken und unserem ganzen Sein genau so einverleiben wie die höchsten Werte des Kulturkreises, innerhalb dessen wir im deutschen Heiinatlande leben. Ten Parteimenschcn hüben und - drüben n>erden wir bei -solchem Mitwirken an dent Werke der Juden in Palästina wenig Freude bereiten. Sie lverden mit billiger Kritik rasch zur Hand sein. Aber wir müssen uns endgültig damit abfindcn, daß auch das größte und reinste Wollen, durch die Parteibrille beleben, nur dann Wert hat. wenn es den Parteistempel aufweist. Ten jungen Juden, in unserem Verbände aber wird auf solche Weise die Möglichkeit geboten, ihre auf Erez - Jisroel bezüglichen Gefühle in gesunder Form „abrcagieren" zu lassen. Sache unserer Verbandsleitung muß es nun sein, die vorstehenden Gedanken so oder doch der Gesinnung nach so in die Wirklichkeit umzuseben. Ephraim Aschkenasi.