Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 11 (1920)
- Issue
- 2 (6.1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 35 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Palästina. In den letzten Tagen des April dieses an diplomatischen Taten so reichen Jahres lief durch die erstaunte auflauschende Kulturmenschheit die Kunde, die in San Remo versammelten Vertreter der Ententemächte hätten beschlossen, dem Friedensvertrag« mit der Türkei eine Erklärung einzuverleiben, wonach „Palästina daS nationale Heim der Juden werden-solle unter Berücksichtigung der Rechte der arabischen Bevölkerung". Großbritannien sei das Mandat über Palästina übertragen werden. Durch diesen Beschluß des „Obersten Rates" der Ententemächte ist in jedem . Falle, wie er sich auch auSwirken möge, die Geschichte der Juden um ein Hochbedeutsames, viel-' leicht epochales Ereignis bereichert worden. Es wäre unjüdisch, aber auch unjugendlich, wollten wir, im Verband junger Juden, vor dieser Tatsack)e das Auge verschließen, ihr stumm ausweichen. Sache junger, schöpferischer Menschen ist es vielmehr, positiv zu Tatsachen Stellung zu nehmen. Wir übersehen dabei nicht, daß wir einen Zusammenschluß jüdischer Menschen darstcllen, die (durch die Schuld der Zionisten) zum überwiegenden Teile Nichtzionisten und Nicht'- Nationaljuden sind. Diese haben — wie vielfache Aeußerungen bekunden — trotz des zweifellosen, wenigstens vorläufigen politischen Erfolges des Zionismus, ihre Haltung zur jüdisch - völkischen Idee und zu einem jüdijchen Staate in Palästina von der Art anderer Nationalstaaten keineswegs geändert. Und doch sehen sie als fühlende Menschen mit tiefer Ergriffenheit die Tatsache vor Augen., daß im „heiligen Lande" zahllosen flüchtigen und unsteten Juden die Möglichkeit zur Begründung eines neuen, glücklicheren und gesicherten Lebens ohne-stete Angst vor Pogromen sich bietet, und daß andrerseits auf palästinensischem Boden sicherlich in den nächsten Jahren eine jüdische Massensiedclung einsetzen wird, die gewillt ist. auch neue jüdische und menschhcitliche kulturelle WertL zu schaffen. Empfindungen suchen nach Ausdruck, nach Tat. Kann unser Verband bei Gestaltung neuen Lebens in „Erez Israel" helfend Mitwirken, ohne wirklich oder auch nur scheinbar den politischen Zankapfel, dSr über der Palästinafrage ruht, ins Rollen zu bringen? Wir möchten die Frage unbedingt bejahen. Wenn wir jüdischen Massen irgendwo in der Welt unsere Teilnahme bekunden und unsere Hilfe leihen, so brauchen wir noch lange nicht an die rechtlich-politischen Grundlagen ihres Seins zu rühren. Das jüdische Gemeinschaftsgefühl betätigt, sich, ohne Äaß es als religiös oder völkisch-national ins Bewußtsein 'zu treten oder gar sich zu äußern brauchte. Sollten wir da auch nur