Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 11 (1920)
- Issue
- 2 (6.1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 31 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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S1 Die Aufgabe unserer jüdischen Jugendbewegung, oder besser gesagt daS, waS wir versuchen müssen, bei unseren VerbandsmitgUedern zu wecken, möchte ich in zwei Leite gliedern, und zwar in das lugendluh . Jüdische und das jüdisch Jugendliche. ■ Unter elfterem verstehe ich all das, 'was uns junge Menschen als spezifisch jüdisch zu pflegen wertvoll und notwendig erscheinen muß. Das Zweite ist, was uns aus der Erkenntnis des Elfteren zu Trägern der allgemeinen und großen Menschheitsworte macht. Beider Segen aber wird sprießen aus dem uns von Or. Löffler so oft und notwendig gezeichneten Dienst am Geist. Das jugendlich Jüdische ist als Ganzes betrachtet unsere Religion. Und dle fehlt der Masse unserer deutschen Glaubensgenossen fast durch die Bank. Religion ist heute ein sehr weiter Begriff. Sie darf aber vor allem nichts Aeußerliches sein. Es ist traurig, daß man so etwas sagen muß, aber leider eine Tatsache. Religion muß das Erlebnis des Menschen sein. Sie muß genau so gefühlsmäßig empfunden werden wie Jugendlichkeit. Und deshalb müssen wir das Religiöse, das Gottempfinden in uns verfiefen und ausbauen. Sich selbst verstehen und sich selbst begreifen, Sind Dinge, die den Menschen erst zum Menschen reifen. Sich selbst verleugnen und für andere leben. Das wünsch ich mir und auch den anderen zu erstreben I Das Erste die Verinnerlichung unseres Selbst, der Drang nach Wahrheit, nach dem Göttlichen in uns, darüber hinaus die Religion. Das Zweite das Prophetentum in uns, das, was uns an erster Stelle dazu berufen macht durch unsere Religion, Verkünder den Anderen zu sein, Verkünder des Schönsten, Besten, der Einheit, der Menscheneinigkeit. Das ist das, was ich mit jüdisch Jugendlich in unserer Bewegung bezeichnen möchte. Daß diese besondere Note des jüdisch Religiösen, die ja, wie wir gesehen, ich möchte fast sagen die Wesensart unserer Bewegung ist, der ganzen Entwicklung der anderen Gedankengänge der Idee zunächst nur für unsere Gemeinschaft, wie bisher jedem Juden, selbst dem krassesten Nationaljuden, ein besonderes Gepräge gibt, ist klar und' selbstverständlich. Aber nicht nur unsere eigene Entwicklung wird dadurch beeinflußt, sondern auch die Umwertung in Allgemeinwerte erhält dadurch eine gewisse Note. Einer der wichtigsten Allgemeinwerte, der von den Strahlen der Religionin erster Linie erfaßt wird, ist das Gebot der Sittlichkeit, sowohl in Reinheit und Wahrheit des Denkens, als des Geistes überhaupt, als auch in dem physischen Willen zur Sexualethik. Hieran anschließend gibt es wohl kein Sein, keine Begebenheit der menschlichen Gesellschaft, die nicht berührt wird. Und da lang und breit Einzelheiten zu erklären, wäre sinn- und zwecklos. Buber sagt so schön und schlicht am Ende seines „Heiligen Weges": In einem Wort lassen sich die Grundsätze zusammenschließen, in einem Losungswort: von innen!" Die Gedankenprinzipien, denn um etwas anderes soll es sich im Vorstehenden nicht handeln, werden auf dem Papier ja immer, um - das Schlagwort zu gebrauchen, Theorie bleiben für die, denen das Gefühl der Jugend abgeht. Für uns Jugend aber müssen sie eigene- — S