Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 11 (1920)
- Issue
- 2 (6.1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 30 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Aufgabe und Arbeit. Es soll Wahrheit werden. Unser Jugendverband will sich derjungen. Er will, wie I>r. Löffler sagt, dem Uebermaß an Jnt'ellektuaiismus, dem mechanischen und im höchsten Sinne unproduktiven Anstapeln von bloßem Wissen, das starke Gegengewicht im Bejahen des Gefühlsmäßigen schassen. Mit einen, Worte, er möchte zu dem kommen, was er immer schon sein wollte und was er von Rechts tvcgen schon lange sein müßte, zu einer Bewegung, der Jugendbewegung. Aber — sich eine Bewegung schassen kann man nicht: denn so ettvas lim); sich selbst gebaren, muß eine innere Triebkraft des menschlichen Willens, ein Sickauslcben seines innersten Gefühls sein. Und so müssen wir uns zunächst, fragen, sind wir-berechtigt, von einer solchen Weiensnmsormung unseres Verbandes überhaupt zu sprechen. Und da wird' allen, vielleicht zum Erstaunen vieler, ein tausendfältiges „Ja" von junger und besonders jüngster Menschenkinder Mund entgegentönen. Später werde ich auf diesen Satz nochmals zurückgreifen müssen. „Ja", wir sind nicht nur berechtigt, davon zu spreclzcn, sondern >vir dürfen laut und deutlich jedem sagen: „Wir haben eine Jugeudbeivstgung in unserem Verbände". Und das gibt uns zu hoffen, daß auch der ganze große Verband in jugendlichere Bahnen gelenkt werde» kann und wird. Gar klein noch ist die Zahl derer, die aus ehrlichem Selbstringen zu der Ueberzeugung gekommen ist, so kann ceunter keinen Umständen weiter gehen. Wenn aber auch klein an Zähl und Anhang, so doch ungeheuer groß ist ihr Streben, das nicht nur jnt Willen zur Idee sich bekundet, sondern im Willen zur Tat gipselt. Wir'wissen es wohl. Es sind Berge von Hindernissen zu übertvinden, über denen allüberall die Tradition thront. Wir sind weil davon entfernt, eine solche nicht zu achten und zu ehren, aber wir ivollen sie nicht gedankenlos nachässcn wie seither. Wir wollen keinen Götzendienst der Mechanisierung, genau io wenig wie der damit eng verivandten Materialisierung unserer ganzen lebenscrfülltcn Arbeit; ivir ivollen selbst erleben. Und deshalb glauben wir an »ns selbst zunächst, an unsere Jugend, an die Wahrhaftigkeitunseres Ge'ühls. Tie Erkenntnis der wahren Jugend, das Verständnis ihres Tenkens und Zählens kann aber nicht aus Grund der geistigen und vernnustsniäßigcn Zähigkeiten unserer Wissenschaftler und Politiker eriolgen, sondern nur die haben Berechtigung davon zu reden, denen Jugendlirbkeit Selbsterlebnis ist. die selbst vom reinen Duell des Uru-ewnS her Juäend getrunken, mitjühlen. was Jugendbewegung ist. In einem gewissen- Gegensatz hierzu, des in der Jugendbewegung kälschlich vielfach als bloße 'Theorie bezeichneten Gefühls, steht die praktische Nutznießung desselben, die Arbeit alio, die zu der Verwirklichung oder doch ivcnigstens Näherbringung unserer Menschlwitsideale iübr:. Tech gerade die Einheit, die sich nicht nur ausdrückt in dem Geiühl der Gcdankcnerfa'sung. sondern dem damit unlösbar verbundenen Trang zur Tatumsetzung, ist das, was unsere Jugend besitzt und ibr Streben zur Bewegung stempelt.