Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 6/8 (Oktober/Dezember 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 211 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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211 ist es, daß selbst ans sozialistischem Lager — man sollte es kaum glauben! — die Vorwürfe des Internationalismus gegen^uns Juden geschleudert tverden. So sieht der Sozialismus aus, der vor dem Kriege und auch wieder jetzt unentrvegt versucht war, die Weltverbesserüng auf dem Wege des Internationalismus zu erzwingen. Wie viele internationale Organisationen kennen wir! Wieviel ist man beniüht, . lie zur Wiederbelebung des Reichs neuerlich zu begründen! Uns als die einzige durchaus politisch unschädliche und untätige Gemeinschaft hebt man heraus zu dom einen Zweck: Uns zu beschimpfen!! So fragen wir uns, was können wir angesichts der unerhörten Vorwürfe, deren Sinn und Zweck Ihnen allen bekannt ist, tun? Was ist die Aufgabe der jüdischen Jugendvereine, durch die wir zu einer Besserung der Lage gelängen können? ... Wollen wir uns etwa auf irgend eine Partei stützen? 'Gibt es von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken eine Partei, die uns unter allen Umständen zu schützen gewillt ist? (Widerspruch.). Bitte, welche? (Sehr richtig!) K^in Programm und keine Stellung- * nähme der deutschen Parteien bezeugt, daß wir, komme was wollevon irgend einer Seite Hilfe und Schutz zu erwarten haben. Damit Sie dies erkennen, will ich Ihnen einen Brief des Herrn Noske zur Verlesung bringen, der die Stellung der mehrheitssozialistischen Regierung uns Juden gegenüber zum Ausdruck bringt.. Sie haben gehört, daß Gerieral Wrisberg im „Mjlitärwochenblatt" einen antisemitischen Hetzartikel sondergleichen publizierte. Der Centralverband sah sich veranlaßt/- dagegen Einspruch zu erheben und den Reichswehrminister zu ersuchen, den General zur Richtigstellung zu veranlassen. Die Antwort lautete: * . „Auf Ihre Beschwerde vom 14. 4. über den Artikel des General v. Wrisberg im „Militärwochenblatt" beehre ich mich folgendes zu erwidern: Der Verfasser verfolgt die begreifliche Absicht, das Offizier- . korps in Schutz zu nehmen, das seit der Revolution über Gebühr und Gerechtigkeit angegriffen wird (mag sein, aber nicht nur von uns ' Juden I). Sie selbst geben zu, daß unter den Angreifern eine Anzahl Juden wären. Gegen diese Teile, nicht gegen die Gesamtheit, wollte sich der General wenden. Das Wort „Stamm" in dem Artikel ist bereits in dem Konzept des Generals in „Teile" umgewandelt und in dieser Fassung auch einer Zeitung übergeben worden, während die an das ..Militärwochenblatt" übersandte Abschrift, leider an der Stelle unverbessert blieb. (Hört! Hört!) Ter General hat das „Militärwochenblatt" um Berichtigung ersucht. General von Wrisberg bemerkt ausdrücklich, daß es sich hier nicht etwa um einen Austrag alter Gegensätze zwischen Offizierkorps und Judentum handelt, sondern um die Abwehr neuer Angriffe, wie ich sie vorstehend erwähnt habe. Aus nationalen Gründen darf ich der Hoffnung Ausdruck geben, daß nach dieser Erklärung von einer Weiterverfolgung der Angelegenheit Abstand nommen wird. Ich würde es lebhaft bedauern, wenn durch eine er-'^ ueute Polemik die an sich gespannte politische Situation unseres Vaterlandes noch niehr belastet würde. Gez. Noske.