Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 6/8 (Oktober/Dezember 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 210 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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210 Staate tief verwachsener, seinem Schicksal unlöslich verknüpfter würdiger Bestandteil. Gewiß will ich gern zugeben, daß einzelne unter unck in politischer und wirtschaftlicher Beziehung nicht zum Segen des Vaterlandes gewirkt haben. Wir wollen ohne weiteres und sonder Vorbehalt betonen, daß es weder zum Wohle der jüdischen Oeffentlichkeit noch gar im Sinne eines unter uns geschah! (Laute Zustimmung!) Gerade wir verurteilen die Entgleisungen von Juden, weil sie damit auch uns schädigen und entehren, doppelt und dreifach. (Sehr richtig!) Daher wehren wir uns gegen die sogenannte Passive Solidarität der öffentlichen Meinung, gegen jene trügerische Auffassung, als seien sämtliche Juden für die Entgleisungen einzelner Glaubensgenossen, oder solcher, die es ehemals waren, verantwortlich. Wir wollen, soweit unsere Stimme reicht, die Juden darauf aufmerksam machen, daß hundert Juden mit bestem Willen und Verrichten nicht gut machen können, was einer von uns absichtlich oder unabsichtlich verdirbt. (Sehr richtig!) Jeder einzelne von uns muß heute mehr denn je darüber aufgeklärt sein, daß er nichts für sich, sondern alles für die Gemeinschaft leisten muß. Hätten Nur die Solidarität in unfern Reihen, die man uns falscher Weise im bösen Sinne unterstellt, ini guten Sinne wirklich, ginge jeder einzelne mit seiner Arbeit als Jude vor, d. h., als verantwortlicher Vertreter des gesamten Judentums, so würde vielleicht niancher Vorwurf, der beute.gegen uns geschlendert wird, ungehört verhallen. Einige Worte zum Internationalismus. Gewiß ist das Judentunr international. Jeder wird es offen zugestehen. Auf der ganzen Welt leben die Juden mit einem gemeinschaftlichen inneren Wert. E> verbindet sie miteinander wie die gleiche Religionsbezeichnung, die si. tragen. Wir Juden wissen, daß dieses Band lediglich kultisch und religiös ist mit geringem Einschlag der blutsverwandtschaftlichen Zusammenhänge! Wer ist befugt, uns daraus im Politischen Sinne einen Vorwurf zu machen? Ich erwähne daher, daß gerade die deutschen Juden seit einem Jahrhundert ihr deutsches Gefühl so bewußt in sich getragen haben, daß sie in keinem der letzten Kriege irgend wie anders denn als deutsche Bürger dem Vaterlands gegenüber gehandelt haben. Ter Internationalismus als politischer Vorwurf ist eine Infamie, ans dem Hexenkessel antisemitisck)er Verketzerungen geschöpft. Jenen Herren will ich entgegenhalten,, daß die im Rheinland und in der Pfalz betriebenen Absonderungsbestrebungen von den dort wohnenden Juden ebenso wie von den Christen bekämpft tverden und unter den treibenden Persönlichkeiten gerade diejenigen sich befinden, die früher' für die Annexion Nordbelgiens und Frankreichs cingetreten sind. (Hört! Hört! und: Sehr richtig!) Tie Juden lehnen jede Nützlichkeitspolitik. durch das sie einen persönlichen Vorteil auf Kosten des Staates verlangeil zu können glauben, rundweg ab und stehen vor wie nach treu zum Panier des Reichs mit dem Ausdrucke der Verachtung auf die. jvelche gesonnen sind, selbst den geringsten Verrat in dieser schweren Zeit am deutschen Volke zu begehen. (Sehr richtig! Pfui!) Auch der Sozialismus ist als Idee: als Begriff und Organisation international. Das liegt in seiner Tefinition. Ilm so merkwürdiger