Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 6/8 (Oktober/Dezember 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 208 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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208 — fleißige Arbeit verrichtet worden, daß sich dadurch die Arbeit für sie erleichtern^ wird. Ich muß Sie nun aber dringend bitten, weil wir nach dem Referat des Herrn Dr. Lange zu dem Teil der Verhandlung kommen, der für die Leitung der schwierigste ist. da wir uns mit 40—50 Anträgen und Anregungen zu befassen haben, ein tvenig Rücksicht zu nehmen und sich möglichst ruhig zu verhalten. Rabbiner I>r. Lange-Efsen: Sehr verehrte Damen und Herren! Rach dein erhebenden Referat des Herrn Löffler von heute früh niüfsen wir uns bei dem, das ich Ihnen vorzutragen die Ehre habe, wieder auf die Erde begeben und uns an das halten, >vas wir als Juden zu unferm größten Leidwesen in den lebten Monaten erleben mußten. Sie alle wissen: Ter Antisemitismus hat Formen'angenommen, wie er sie in uNserm Leben und vielleicht auch im vergangenen Jahrhundert nicht gehabt hat. Das, worauf er heute hinzielt, geht einen jeden Juden in Teutschland an. Er will Taufen, Mischehen und Assimilation nicht anerkennen und wirst einem jeden, der in Beziehung zum. Judentum gebracht tverden kann, alles Schlechte vor, das die Phantasie auszubringen vermag. Tie ungezählten Verbrechen im politischen, sozialen und wirtschaftlichen Leben werden samt und sonders den Juden als Schuld beigelegt. Wenn wir der jüdischen Jugend Deutschlands diesen Antifemitisinns vor Augen führen und ihr einen Weg zeigen wollen, der zu einer inneren Beruhigung und damit auch zu einer erhöhten äußeren Sicherheit führt, so ist es notwendig, die Frage der Schuld sachlich zu prüfen und uns rückhaltslos klar zu machen, wie weit wir Juden unsere Pflichten erfüllt oder vernachlässigt haben. Tas brennende Weh, unter dem wir aufrechten Juden alle zu leiden herben, hat eine große .stluft zwischen uns und der christlick)en Umgebung gerissen. Das freiniüstge Sichhingebeu an den Andern ist vom Vorurteil, -das mehr und mehr die Masse des Volkes ergreift, ungünstig beeinflußt und wir vermuten, daß wir im beruflickien und geselligen Verkehr von vornberein in unserer Eigenschaft als Juden über die .Hemmungen des Andern uns gegenüber obsiegen müssen. Sie wissen, daß die Ursack-e des Antisemitismus und die Art seines Kampfes durchaus »nsittlick sind. Er ist aus einem Kalkül, aus einer politisch-materiellen Erwägung reaktionärer Kreise mit dem Mittel aufreizender und verabsck)euenswürdiger Verdächtigungen entstanden, um uns Juden, einfach, weil wir Juden sind, gesellschaftlich und staatsrechtlich zu cntinündigen. Ter wirtschaftliche Konkurrenzneid und der mangelhafte Gerechtigkeitssinn taten das Uebrige und riefen, um den Judenhaß wissenschaftlich zu motivieren und die intelligenteren Kreise des Volkes in seinen Bereich hineinzuziehen, die Rassentheorie Chamberlains und Gobineaus zli Hilfe. Tie Behauptung, daß die arische Rasse höher zu werten ist als die semitische, daß sie edel, vollkommen, heldenhaft, sittlich im Gegensatz zur degenerierten, verschlissenen, unsittlichen semitischen Rasse sei, enthüllt einen feindschaftlichen Sinn, dem die wissenschaftliche Berechtigung nicht inneliegt. Aber die eigentümlich aufreizenden Formen, in denen dem