Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 6/8 (Oktober/Dezember 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 197 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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197 Meine Damen uni) Herren, Sie brauchen nicht zu denken, daß das irgendwie in die Frage der Politik hinüberspielt. Wir Mitglieder der jüdischen Jugendvereine und wir Einzelvereine als Mitglieder des Verbandes der jüdischen Jugendvereine sind auf das lebhafteste an der Erziehung unserer Jugend zum Judentum interessiert. (Sehr richtig!) Und diese Erziehung kann uns nur möglich gemacht werden, wenn der Charakter des Religionsunterrichts in der Form beibehalten wird, wie er bei uns in Bayern z. B. eben als Pflichtfach an den Schulen bis jetzt gegeben wird. (Vorsitzender: Die Zeit ist abgelaufen-!) — Darf ich vielleicht noch etwas weiter sprechen? Vorsitzender Dr. Apfel: Wir müssen mit dieser Frage noch am Vormittag zum Abschluß kommen (Sehr richtig!); sonst werden wir nicht fertig. Ich schlage aber vor, daß wir Herrn Dr. .Heilbronn noch ermöglichen, seinen Gedankengang innerhalb 1—N(> Minute abzurunden. I>r. Heilbronn: Ich werde mich ganz kurz fassen. Ich möchte nur noch zu den zweiten Ausführungen des Herrn Dr. Löffler einiges sagen. Herr Dr. Löffler hat — und ich mutz sagen, datz ich es begrütze, datz auf einer Verbandstagung der jüdischen Jugendvereine Deutschlands gerade die Erziehung zur Frühehe, die Erziehung zur Sexualethik besprochen wird — Herr Dr. Löffler hat uns da bewundernswerte Gedanken entwickelt. Aber, meine Damen und Herren, ich mutz da doch auch einige ergänzende Bemerkungen machen. Herr Dr. Löffler sprach von der Erziehung unserer Jugend zu einem sittlich reinen Leben, zur Sexualethik. Meine Damen und Herren, ich muß Jhn§n sagen, unsere Erzichungspläne und die trefflichen Erziehungspläne, die uns Herr Dr. Löffler enttvickelt hat, lverden niemals verwirklicht werden, lvenn im Kreise der Eltern der Heranwachsenden Jugend für solche Pläne nicht volles Verständnis entwickelt wird. Aber da »intz ich nun auch einmal sagen — man mutz auch da hineinlenchten —, da ist gerade das Gegenteil der Fall. Eine Mutter blickt heute mit Stolz auf ihren Sohn, der ein Verhältnis hat. (Oho!) Ich mutz das deutlich aussprechen. (Oho!) — Jawohl, meine Damen und Herren! Es muß einmal offen und ehrlich gesagt werden. (Vorsitzender: .Herr Doktor, ich mutz auch in diesem Falle bitten^ diese Behaliptung nicht so allgemein aufzustellen.) Meine Damen und -Herren, Sie werden mir nattirlich nicht zuttauen, daß ich von unseren jüdischen Müttern in der großen Allgemeinheit eine solche schlechte Meinung habe. (Zuruf: Das tut eine Mutter nie!) Aber Sie müssen mir doch zutrauen. datz es mir als Rabbiner und Lehrer der Jugend vergönnt ist, auf diesem Gebiete mancherlei Erfahrungen zu sammeln. (Sehr richtig!) Und das muß auch hier einmal auf das ganz entschiedenste festgestellt werden, daß man darüber nicht etwa reden darf zustimmend, beschönigend, sondern das muß auch einmal als eine Schande hingestellt werden. (Lebhafter Beifall. — Vorsitzender: Ihre Zeit ist um!) — Ich hätte noch einiges zu sagen. Aber ich will dann schließen. '' Dr. Jsi Kahn: Meine Damen und Herren! Endlich ist die jüdische Jugendbewegung an dem Punkte angelangt, wo ich sie seit der ersten Stunde, seit der ich in ihr mitzuarbeiten die Ehre habe, hinlenken