Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 6/8 (Oktober/Dezember 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 196 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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196 ziehung mit den Worten unseres großen Lehrmeisters Mose vom Sabbat: O wären sie doch alle Propheten! (Bravo!) Zu der Sache selbst aber möchte ich nun bemerken, daß ich auch in den Thesen des Herrn Dr. Löffler zu viel Theorie und zu wenig greifbare praktische Vorschläge erblicke. Ich möchte von vornherein benierken, ich bin selbstverständlich mit dem Herrn Vorredner darin einig, daß die Ausführungen des Herrn Dr. Löffler auch auf mich tiefsten Eindruck gemacht haben.' Ich übe selbst keine Kritik, sondern ich möchte nur einige ergänzende Bemerkungen machen. Gerade in Bezug auf die Erziehung der Jugend zur Religion und zur Hebung des religiösen Sinnes wäre es unbedingt notwendig gewesen — das wird vielleicht einem späteren Referate, das doch wohl von einem Rabbiner gehalten werden müßte, Vorbehalten sein —, daß da auch eingehende Vorschläge gemacht werden. Herr Di. Löffler sprach weiter davon, daß die materialistische Auffassung, die eine Zeitlang die Welt vollständig beherrscht hat, allmählich zum Zusamnienbruch gekommen ist und dast daher günstige Auspizien vorhanden sind, dich unsere Jugend auch wieder mit religiösen Ideen erfüllt wird. Ja, meine Damen und Herren, ich stimme da mit Herrn L>i\ Löffler überein. Aber das ist nicht ganz richtig, was er gesagt hat. Tie materialistische Anschauung mag wohl zusammengebrochen fein. Aber gehen Sie doch einmal in unsere Schulen, die unsere Schüler männlichen und weiblichen Geschlechts besuchen. gehen Sie einmal in den naturwissenschaftlichen Unterricht.; der ihnen dort gegeben wird — ich sage Ihnen, da werden die aller? krassesten Materialisten erzogen! (Sehr richtig!) Ich habe oft Gelegenheit, in meinem Religionsunterricht an Oberrealschülern, am Realgymnasium, da, wo die naturwissenschaftlichen Disziplinen dominierten und wo sie eine besondere hervorragende Stellung im Unterrichtsplan einnehmen, zu beobachten, daß in diesem naturwissenschaftlichey Unterricht gerade die Materialisten erzogen werden; und die materialistische Jugend in jenem Alter ist natürlich besonders den dort gelehrten Anschauungen zugänglich aus Gründen, die Sie alle kennen, die ich auch hier nicht näher auseinandersetzen will. Meine - Damen und Herren, wir in den jüdischen Jugendvereinen sollten gerade auf dem Verbandstag der jüdischen Jugendvereine aus diesem Grunde einen flammenden Protest dagegen erheben, daß an denselben schulerf, in denen unseren Kindern es zur Pflicht gemacht wird, diesem Unterricht beizuwohnen und diesen Unterricht anzunehmen — daß * gerade in diesen Schulen die Religion als Wahlfach hingestellt wird. (Bravo!) Meine Damen und .Herren, es wäre unbedingt notwendig, daß die Religion als Pflichtfach oder wenigstens der Charakter des jüdischen Religionsunterrichts als Pflichtunterricht unbedingt beibehalten wird. - Und es wäre eine Ergänzung zn den Leitsätzen des Herrn Dr. Löffler, wenn gerade im Zusammenhang mit der Frage der Erziehung der Jugend zur Religion unbedingt auch der Verband der jüdischen Jugendvereine auf seiner Tagung zu dieser überaus aktuellen Frage Stellung nehmen würde und natürlich Stellung nehmen würde in dem Sinne, den ich Ihnen eben entwickelt habe. (Seyrrichftg I)