Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 6/8 (Oktober/Dezember 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 198 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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198 wollte: bei den religiösen Problemen. Ich muß gestehen, daß das der Höhepunkt der Entwicklung ist, den unsere Bewegung durchgemacht hat. Kr. all den langen Jahren, in denen ich in der Bewegung stehe, habe ich für nichts weiter gearbeitet und nichts inniger herbeigesehnt als diese Stunde, diesen Augenblick, den ich die Kernstunde der ganzen Bewegung nennen möckste. Kehren wir doch zurück zu unserer ureigenen, ewigen Heimat, zum Ursprung aller Tinge, zum religiösen Gebiete! (Sehr richtig!) Es ist unmöglich, Löfflers Referat in 10 Minuten durchzusprcchen. An erster Stelle aber müssen wir an uns die Frage richten: Wie kan, es eigentlich, reiche treibenden Kräfte waren vorhanden, daß heute ein tiefer Sckirci aus der jüdischen Jugend nach der religiösen Seite hin sich bemerkbar mackst? An den Krankheitsursachen können wir auch die Heilmethode ersorscken. Tas Lösslersche Referat ist so wundervoll, ich stimme mit ibm in jedem Punkte so überein, daß man ani liebsten sich von jeder Kritik fcrnhalten möchte. Tie Macht der Realitäten 'wird, so fürchte ick, noch viel Wasser den Rhein hinuntcrflicßen lassen, bis diese Ideale in die Tgt umgcsetzt sein Norden. Wo liegt die Ursache dafür? Es muß einmal offen gesagt werden, daß allein diejenigen Kreise, die beute nüt bewußter Spitze gegen den Nationalismus das Religiöse so voll in den Mund nehmen, daß gerade diese Kreise es waren, die in der Gemeindevcrlvaltung die führende Rolle spielten, daß sic cs waren, die immer nach außen schielten, die immer nur Anleihen machten bei anderen Religionen, die immer beim Protestantismus auf Borg ausgingen, anstatt, wenn sie schon einmal entwickeln wollten, aus dem Judentum und durch das Judentum entwickelten. Es gibt Wahrheiten, die unentwickelbar sind, dieweil sie fest stehen, und dieses letzte Ewigkeitsprodukt in sittlicher Höhe darstellen. So denken wir über das Wesen der jüdischen Religion. Tas haben jene Stürmer, die den Kotau machten vor jedem Nichtjuden, den körperlichen und geistigen Kotau, nie verstehen können. Darum haben sie aus unserer Mitte ausgemerzt die wichtigsten und heiligsten Tinge: sie haben angefangen mit der hebräischen Sprache, dieser heiligen Sprache, die in sich die wichtigsten Gefühlsmomente zur Erhaltung unserer Gemeinschaft birgt. Abgesehen von dem klassischen Werte dieser idealen Sprache, war von jeher nichts geeigneter, auf das Gemüt des jungen Juden einzuwirken, als der Klang der Kindheitssprache unseres Volkes. Tie Ehrfurcht vor dem Unendlichen, das Ergriffenwerden von den religiösen Wurzeln jüdischer Laute war diesen Männern wesensfremd. Und darum hat die Jugend ein Recht und die Pflicht, durch sich selbst und aus sich heraus die Entwicklung zum wahren Judentum, zum Religiösen, zur Thora zu verlangen und zu erkämpfen. (Sehr richtig!) Meine Damen und Herren! Das Herumdoktern auf Grund von Zufallswissen, das sich jüdische Laien innerhalb ihrer Einflußsphären l>eute erlauben, muß aufhören. Die Meinung, welche heute allgenrein herrscht, daß das Judentum eine Religion, ein Maube sei, so ein Glaube wie die anderen Konfessionen, ist grundlegend falsch.