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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-10-01 · 6/8 (Oktober/Dezember 1919) · p. Seite 177

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
6/8 (Oktober/Dezember 1919)
Date
1919-10-01
Page
Seite 177 (sequence 19)
Language
German
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177 in freudiger Ekstase den Weg zur letzten, höchsten Sehnsucht des Religiösen sucht und findet. Bei diesem Ausweisen der Richtung, in der ftch unsere Arbeit zur Belebung des religiösen Sinnes der jüdischen Jugend zu bewegen haben dürfte, mag's diesmal sein Bewenden haben. Meine Freunde! Empfinden wir so die jüdische Religion, nicht «nwa als eine zufällige beschwerliche Bindung, die uns durch das Hineingeborensein in den jüdischen Menschenkreis, den jüdischen Ltamm beschieden ist, sondern als den stets, frisch sprudelnden Quell, der uns Lebensfreude und Kraft spendet, und dessen Trunk uns innerlmlb des uils umschließenden Kulturkreises zu Leistungen hö Menschtums befähigt, so'ist unsere Stellungnahme zu dem zweiten / unserer Tagung vorgelegten bedeutsamen Problem, dem der Misch, ehe, auch nicht einen flüchtigen Augenblick lang zweifelhaft, kann es nicht sein. Wir müssen sie vorbehaltlos ablehnen,! sollen nicht die Träger der jüdischen Idee, dieses kostbare Reis am Stamme der Völkerfamilie, in aller Bälde auf einen Bruchteil ihrer heutigen Zahl herabgemindert sein. Daß es hier um die Frage derSelbsterhalt u n g geht, mögen wenige, aber höchst bezeichnende statistische Zahlen Ihnen zeigen. In der Hauptstadt Dänemarks, in der die überwiegende , Mehrzahl der dänischen Inden wohnt, waren in der Zeitspanne 1901/5 "96,05 Prozent aller von Juden geschlossenen Ehen Mischehen. Sind nun auch hier die Verhältnisse besonders düster und dadurch die dänische Judenheit als. solche zum Aussterben in den nächsten Jahrzehn-' ten schon verurteilt, so können uns die Ausblicke in den deutschen Großstädten und in den jüdischen Zentren im besonderen durchaus nicht ruhiger stimmen. In Preußen ist die Gesamtzahl der Mischehen von 613 in den Jahren von 1890/94 auf 3297 in den 4 Jahren 1904/08 emporgeschnellt: in Berlin waren 1895/99 noch 34,12 Prozent der Eheschließungen solche von Mischehen, 1905/06 bereits 44,05 Prozent, in Hamburg ist der Prozentsatz auf 34,82 angestiegen, in Frankfurt a. M. auch schon auf 24,76 Prozent. Geradezu niederdrückend muß auf den, dem am Fortbestände dckr deutschen Juden liegt, eine statistische "Arbeit J}on Julius Rotholz in den Brannschen Jahrbüchern , toirfen. Sie behandelt die Eheziffern der Berliner Juden im Jahre vor dem ' Kriege und im ersten Kriegsjahre. Danach nun ging die Zahl der reinjüdischen Ehen innerhalb der genannten Zeitspanne von. 470 (1913/14) auf 325 (1914/15), also um 30 Prozent zurück, ivährend in der gleichen Zeit die Mischehen von 270 auf 347 anstiegen, wobei Die der jüdischen Männer mit Christinnen um fast 60 Prozent zu- . nahmen (von 164 auf 237). Erwägt man, daß jeder dritte bis vierte Jude Deutschlands in Berlin wohnt, so gewinnen diese Zahlen für uns eine umso größer«, schmerzlichere Bedeutung. Die die Mischehe beschönigen oder entschuldigen wollen, führen als gewichtigstes Argu- »,ent gewöhnlich an. die Kinder aus solchen Ehen könnten ja Juden bleiben oder werden, dem Bestände der Judenheit also brauche kein Abbruch zu widerfahren, und auch das religiöse Gewissen des jüdische» Ehegatten lasse sich so wahren. So hören Sie denn, als Antwort hierauf, die bei einer 1905 in Preußen erfolgten Volkszählung ge» «nachte Feststellung, daß von den Kindern aus Mischehen nur 22 Pro-

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