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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-10-01 · 6/8 (Oktober/Dezember 1919) · p. Seite 176

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
6/8 (Oktober/Dezember 1919)
Date
1919-10-01
Page
Seite 176 (sequence 18)
Language
German
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176 Dir, ist mein Gebet!" so drückt Beer-Hofmann in „Jakobs Traum" dies Fühlen aus. Gebt ihm Raum auch in der Brust unserer. Jugend, und Ihr könnt's, indem Ihr die inneren Hemmungen beseitigt, die die rationalistischen Lehren errichtet haben. Sagt ihnen, daß nicht nur der große Grieche Sokrates, nicht nur der genialische Physiologe Du Bois-Raymond das demütige Bekenntnis „Jgnorabimus", „wir Werden nicht wissen", ablegten, sondern daß auch bedeutende Gelehrte unserer Generation einsehen lernten, daß es eine übersinnliche Welt geben müsse, zu ökr nur unsere Seele, unser Gefühl, das Religiöse in uns den Weg finden kann. Und noch einen Mangel laßt uns an unserer Jugend, an uns allen beheben und damit tausend Wege zum religiösen Erlebnis bahnen. Laßt mich diesen Mangel als Ucbersichtigfeit benennen, als das Hinwegsehen über das Wunderbare, das sich immerfort in unserem Sichtbereiche abspielt. Uns verlangt immer , nach dem Wunder, als des Glaubens liebstem Kinde, und der große Björnson hat sicher Recht, wenn er in „Ueber unsere Kraft" sagt, die ganze Menschheit werde wieder kindlich gläubig sein, wenn sie nur einmal ein Wunder unzweideutig ersehen habe. Aber ist es denn nicht wunderbar, daß das Eiweiß, das trotz Kenntnis der es zusammenietzenden chemischen Elemente und Verbindungen bis heute der Forscherfleiß unserer größten Chemiker nicht herzustellen vermochte, sich im Lebensprozesse unzählige Male in.den verschiedensten Abarten bildet und zu Zellen und Zellenverbänden unterschiedlichster Leistungen formt? Muß es uns nicht immer wieder als Wunder anmuten, daß der kaum sichtbare pflanzliche Samen sich zum mächtigen-Baum entwickelt, daß auch der Mensch aus einer einzigen, mit bloßem Auge unsichtbaren Zelle wird! Liegt das Wunderbare nicht eben in der (Gesetzmäßigkeit, mit der alle organische Entwicklimg abläuft, da dock kein Sterblicher jemals solche Gesetzlichkeit auszudenken oder gar ins Werk zu setzen vermöchte! Sagt der Jugend endlich einmal und immer auf's Neue, daß das „sich wundern" edelste Blüte menschlichen Gemütes ist und den Weg zur Freude an diesem größten Wunder, zur Freude am Leben führt. Ja, meine Freunde, und Ihr Erzieher der Jugend. Rabbiner und Lehrer zumal, lehrt unsere jüdische Jugend, denr Leben und Gott in Freuden dienen. Unser Talmud sagt im' Traktat Schabbos, in Erörterung eines Satzes aus Koholeth, daß die Schecliinah, der Geist Gattes aus den Menschen nur komme, wenn er „in Freuden" sein Gebet vollbringe. Sagt dies der Jugend und geht bin und lest alle das Büchlein „Rhapsodien der Freude" von Steinmüllerder zwar ein Nichtjude ist, dem aber die Wahrheit aufgrng, daß der ein Tor ist, der nicht an allem und jedem eine schöne Seite findet und sich darob erfreut; und wenn Jhr's gelesen, sprecht davon mit unserer nach reiner Freude sich sehnenden und zu ihr berechtigten Jugend. Aber sprecht ihr dann auch von den gesunden, unsagbar innigen Anfängen des Chassidismus, der jüdischen Sekte des Ostens, und auch von den Meistern der Aabbalah, in fein abgewogener Weise, wie es der Jugend und ihrem Einfühlungsvermögen angepaßt erscheint; denn gerade ste zeigen uns vorbildlich, wie man in Freuden,

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