Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 6/8 (Oktober/Dezember 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 175 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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175 mann, Dozent am Rabbiner-Seminar in Breslau, zugänglich gemacht werden. Ich will dafür sorgen, daß wenigstens unseren geistigen Führern im Verbände die Schrift übermittelt wird und wir uns dann über ihren Inhalt in den „Mitteilungen" eingehend auseinandersetzeu können. Das Judentum sei der Maß st ab der Dinge — dies, n>ar wohl, kurz zusammengefaßt, der übereinstimmende Wille unseres Frankfurter Kreises, und durch ihn, so meinten wüi» bieten sich dem jüdisch-religiösen Fühlen reiche Entfaltungsmöglichkeiten im Leben des Alltags. Lassen Sie mich nun nach diesen jüngsten Persönlichen-Ersahrungen den praktischen Vorschlag machen, cs möchten sich auch in uy- »ren Verbandsvereinen die reiferen Mitglieder, um ihren religiösen Bedürfnissen zu genügen, zu zeitweiligen Aussprachen im kleineren Kreise gleich Strebender zusammenfindcn. Zweckmäßig dürfte es sein, zunächst.die zu erwartende Heinemannsche Schrift zum Ausgangspunkte zu machen, späterhin dann von Stellen aus dem jüdischen Schrifttum oder von Werken neuzeitlicher Gottsucher, wie Brod, Bloch (Geist der Utopie), Buber, Meyrink, Werfel auszugehen. Aber — so dürfen (sie mir einwenden — hier ist teilweise zur Voraussetzung ge- _ macht, was wir ja erst wecken wollen, das religiös-jüdische Erleben. Drum lassen Sie uns nunmehr darüber nachsinnen, ob und wie wir es vermögen, dies Erlebnis in der Seele unserer Jugend aufspringen zu lassen gleich dem Funken aus dem Steine. Die Philosophie unterscheidet zwischen unmittelbarem und mittelbarem religiös e'm Erleben. Das unmittelbare Erlebnis, so meinen die Freunde der Weisheit, sei nur ganz selten begnadeten Menschen vergönnt, denen sich Gott in wunderbarem Gesichte offenbare; uns armseligen, gewöhnlichen Sterblichen sei nur das mittelbare Erleben verstattet, das wir durch Versenken in die gewaltigen geistigen Schöpfungen jener prophetischen Naturen schöpfen können. Ich aber meine, jedem von uns kann das Erhebende und Beglückende des unmittel- •„ baren religiösen Erlebens beschieden sein, wenn auch nicht in diesem gigantischen Ausmaße, wie unseren erkorenen Propheten, wenn wir nur nrit inbrünstiger Seele wollen. Darauf deutet doch zweifelsohne . das dem Propheten Jeremiah in den Mund gelegte Wort hin: „Urviksselitem Ausi umozosem, ki sidreschuni bchol Iwawcheml So Ihr nach Mir verlanget, will Ich Mich finden lasseü, wenn Ihr Mich nur von ganzem Herzen suchet!" Diese prophetische Kunde entlockte dem seelenvollen jüdischen Dichter der arabischspanischen Periode Jehuda Halevi die in die gleiche Richtung uns weisenden Worte: „Hmozasi likraseeti, ükrosi mozosechl" Und „komm Ich Dir entgegen, entgegen kommst Dir Mir!" Einer der größten Lehrer der Philosophie, der unvergeßliche Hermann Cohen, empfand gerade die Unmittelbarkeit der Beziehungen von Mensch zu Gott, das Fehlen des Mittlertums als ein Köstliches am Judentum. Dieses Gefühl, daß es nur des Hinaufdrängens zum Göttlichen bedarf, um uns das Bewußtsein seiner Nähe zu sichern, um das , Renen der göttlichen Seele in uns empfinden zu lassen, beseelt' die meisten unserer expressionistischen Dichter. „Zwiesprach von Dir mit