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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-10-01 · 6/8 (Oktober/Dezember 1919) · p. Seite 171

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
6/8 (Oktober/Dezember 1919)
Date
1919-10-01
Page
Seite 171 (sequence 13)
Language
German
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171 wie oft klang nicht dies Wort vom Geiste und der daraus erwachsenden Pflicht der Brüderlichkeit, der unbedingten Wahrhaftigkeit, Duldung, Volkstümlichkeit, Liebe während der letzten Monate an Ihr aller Ohr? I Aber hat auch wirklich in Ihnen Allen die Ueberzeugung genugsam Platz gegriffen, daß die furchtbare Schuld der Völker und Einzelmenschen, von der heute die Welt widerhallt, letzthin in der seitherigen Verkümmerung des Geistigen, in der Nichtbeachtung der religiös-sittlichen Ideen in ihren Auswirkungen beruhte? . Wir ' Juden aller Lander haben Teil an dieser menschlichen, schweren Verschuldung. Mit den Völkern der Erde haben wir gemeinsam zu sühnen. Aber wir Juden und unsere die Zukunst verbiirgende Jugend zumal haben die heilige Pflicht, dem Zuge der Büßer aus dornichtem Wege nach Höhen mit lichteren Ausblicken voranznschreiten, nicht in schwächlicher Zerknirschung, sondern in endlicher Besinnung aus unsere uralt-geheiligte Sendung, Führer aus der Wanderung zu Völkerverbrüderung und ewigem Frieden zu sein und uns selbst dieser Führerschaft würdig zu erweisen. Jüdische Jugend, muß ich Dich nun nochmals um unermüdliches Mitausschreiten bitten, wo' es gilt und vergönnt ist, die Tugenden von Führern der Menschheit auf's Neue zu erringen? Ich glaube, Ihr werdet nunmehr die für den Fortbestand der Kulturmenschheit entscheidenden Fragen in ihrer üngcheuren Bedeutung nicht mehr unterschätzen, Ihr werdet mit weit offenem, inneren Ohr lauschen, und Ihr werdet die dann folgerichstg und zwingend sich ergebenden Forderungen, die ich zu erheben gedenke, nicht mehr als verstiegene Wünsche erdenferner Schwärmer künftighin zu nennen wagen. Das aber sei den Kleingläubigen, von vornherein in aller Deutlichkeit gesagt: das Eintreten für Vergeistigung und Versittlichung des Lebens unserer jüdischen Jugend will und wird nichts weniger als blutleere, schmächstge, weltstemde Menschen züchten. Denn da der wahre Idealismus sich erst in Taten erweist, in edlen, wertvollen W e r k e n, so kann der Endzweck unserer Betrachtungen und Wünsche nicht der Gedanke, die Geistigkeit selbst sein, sondern ein Geschlecht von ideenerfüllten Tatenmenschen. Der sittliche Jude und die sittliche Tat, — sie müssen die Kinder unseres gemeinsamen Wünschens sein, und leuchtend in ihrer Schönheit sieht sie schon mein inneres Auge. Meine Damen und Herren! Wer so dem Geistigen den beherrschenden Einfluß in der Welt beimißt oder doch eingeräumt wissen möchte, muß es mit Freude begrüßen, daß das Problem der jüdischen Religiosität, richtiger die Frage, w i e wir dem religiösen Fühlen unserer Jugend neue Schwungkraft verleihen können, durch unsere Verbandsleitung in den Vordergrund der programmatischen Erörterungen gerückt wurde. Findet doch auf dem Gebiete des Religiösen alles Gedankliche letzte und höchstgesteigerte Entfaltung, die Gefühlsregungen unseres Seins ihren edelsten, reinsten Niederschlag. Längst war es mein sehnlicher Wunsch, daß unser Jugendverband bei keinen Arbeiten und zumal auf seinen Tagungen dem Religiösen das Ansehen, die hingebende Liebe, den glühenden Eifer schüfe, die. ihm nach keiner Bedeutung im Leben des Einzelnen und der jüdischen. 2* -

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