Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 6/8 (Oktober/Dezember 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 170 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Dr. Löffler (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Meine Damen uzid Herren, liebe Freundei Ein Jubelruf will sich auf meine Lippen drängen, da mir's vergönnt ist, zur lauschenden jüdischen Jugend zu reden, von dem, was seit langem mir Herz und Sinne bewegt. Doch zugleich auch möchte ich betende Worte zum Himmel senden, daß mein Mund sich zum Guten öffnete, daß ich kluge Sprache und rechten Ton fände, um das zu sagen, wovon ich mir Heil und Glück für heutige und kommende Geschlechter erhoffe., Religion und Sittlichkeit,- meine Freunde, sollen die ragenden, mächtig aufwärts strebenden Eckpfeiler an der Gedankenbrücke sein, die wir kühnen Schrittes miteinander betreten wollen. Von den gewaltigen geistigen Strömungen soll also heute zwischen uns die Rede kein, die die Menschen und Geschehnisse dieser Welt durchfluten und auf ihren brausenden Mogenkämmen tragen. T-a erscheint mir's richtig und wichtig, zunächst einige Worte der Bitte, der Mahnung um Ausdauer bei unserm Wandern an Sie alle zu richten. Junge und schon reifere Menschen unterschiedlichen Standes und mannigfaltiger AÜtägsinteressen sind hier zusammengekommen, um nicht nur an der Arbeit der im Verbände zusammcngeschlossenen jüdischen Jugcndvereine m'tzuwirkcn, sondern auch von hier aus Anregungen zu eigner Fortentwicklung und zur Bereicherung ihrer Freunde in der Heimat, nach dcn verschiedensten Gauen Deutschlands mitzunehmen. Manche mögen da unmittelbar greifbare, praktische Vorschläge, nach denen sich lehrhafte und gesellige Vorträge und Veranstaltungen in ihren Vereinen gestalten lassen, als zweckdienlichste Leistung unserer Tagung erachten und erwarten. Mich aber dünkt: das Wertvollste, was solche Zusamenkünfte von Führern und Abgesandten der Jugend wirken können, ist, jedem Einzelnen, der von nah und fern, aus einer Großstadt oder kleinen Gemeinde kam, mit der G e i st i g k e i t zu erfüllen, die allein wahre und starke Schöpferkraft besitzt und die dann späterhin auch einfache Taten adeln wird. Baut doch der Geist. nicht nur, nach dem bekannten Worte des Dichters, den einzelnen Qörper; nein, jede menschliche Schöpfung, mag sie nun rein gedanklich oder materiell sein, gewinnt bleibenden Wert erst, wenn sie von großen Gedanken, von Ideen getragen ist. Wann wäre es aber nötiger und zugleich zeitgemäßer gewesen, ein Ruhmcslied auf die großen Menschheitsideen als die eigentlichen Triebkräfte der Geschichte und die steten Erneuerer des Völkerlebens anzustimmen als iw unseren Tagen höchster menschlicher Not?! Was uns nach einem 41£- jährigen, furchtbaren Krieg, nach einem Ausgang in Elend und Erniedrigung allein übrig blieb, ist die Hoffnung und Ueberzeugung, daß die erhabenen Gedanken, die die Welt eines Tages zum Glück führen müssen, von materiellem Leid und zeitlicher Not unabhängig undunzerstörbar sind: ist zugleich die Erkenntnis, daß der tiefschmerzliche Zusammenbruch, dessen Zeugen wir sind, zu einem guten Teil durch Mwngel an Geistigkeit, durch Mechanismus und Materialismus, durch das .Herjagen hinter Maschinen und Mammon bedingt war. „Vom Geist der Revolution", „vom Geist der Erneuerung Deutschlands", „vom Geiste der Versöhnung und Liebe". —