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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-07-01 · 3/5 (Juli/September 1919) · p. Seite 152

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
3/5 (Juli/September 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 152 (sequence 104)
Language
German
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152 nicht ein, Ihnen die Pistole auf die Brust zu setzen und zu sagen: Friß Vogel oder stirb. Dann hätte ich zwar einen taktischen Versammlungssieg erfochten, als Vorsitzender wäre ich aber eine Unmöglichkeit. Die einzige Möglichkeit, die jetzt noch besteht, daß ich dem Verbande meine ganze Arbeitskraft weiter widmen kann, ist die, daß mir gesagt wird: Was du hier in dieser ernsten Stunde gesagt hast — wir glauben es dir auf dein Wort, wir glauben dir, daß du vielleicht in unrichtiger Taktik, aber aus dem heiligsten Gefühl heraus gehandelt hast. Das ist die einzige Möglichkeit. Ich weiß, der Verband steht und fällt nicht mit vr. Apfel. Der Verband wird, das hat ja die heutige Tagung gezeigt, andere Führer finden, das ist ganz zweifellos; aber die werden es ungeheuer schwierig haben. Bis zum Heu- Ligen Tage hatte ich mir vorgenommen: wenn mein Antrag hier nicht durchgeht, nehnie ich in Friede und Freundschaft meinen Abschied als Vorsitzender, gehe in ein einfaches Vorstandsamt — nach so langer Amtszeit habe ich das Anrecht auf etwas Ruhe — und warte die weitere Entwickelung ab. Nachdem ich aber die flehentlichen Bitten vieler Verbandsfxeunde gehört habe, nachdem mir eben erst wieder ein Verein erklärt bat, wenn der Antrag abgelehnt wird, wandeln wir uns sofort in> eine Jugendruppc des Centralvereins um, da habe ich mir gesagt: hier ist eine Mission zu erfüllen; hier besteht die Pflicht, der jüdischen Jugendbewegung, die so denkt, ein Sammelbecken zu schaffen, wo sie in wirklicher' Neutralität, wie wir sie verstehen, zusammen kommen kann. Beachten Sie doch, daß ein Mann wie Krombach und ich uns seit Jahren nicht gesprochen haben und aus ganz verschiedenen Erlebnissen, aus ganz verschiedenen Milieus, ja aus ganz anderen Welten heraus zu dem gleichen Ergebnis gelangt sind. Es ist nicht nötig, daß Organisationen bestehen bleiben, denn Organisationen sind etwas äußerliches. Wenn mein Antrag nicht in' irgend einer Form angenommen wird, die es auch meinen Gesinnungsgenossen möglich macht, ihm zuzustimmen, wenn dieser Antrag nicht sozusagen einstimmig angenommen wird, ist der Verband gesprengt, ob wir es wollen oder nicht (Bewegung), selbst wenn wir uns alle schwören, ihn zusammen zu halten. Die Entwicklung ist in vieler Beziehung über uns hinweg gegangen, mehr als man es in einzelnen Ortsgruppen übersehen kann. Es wird stets zu den schönsten Erinnerungen meines Lebens gehören, daß Sie heute morgen die vaterländische Resolution einstimmig annahmen, und wer von Ihnen hat nicht genall so wie ich heute inorgen bei der Trauerfeier zum Gedenken unserer Toten empfunden: uns Jugendvereinler verbindet doch irgend etwas, was sich nicht definieren läßt. Es ist eben die eigene Note des Verbandes, und wenn die aufgegeben würde, es wäre wirklich jammerschade. (Stürmischer Beifall.) Aber wie können Sie sich so blamieren und einen Antrag ablehnen, der in milderer Form dasselbe sagt, was. Sie heute morgen einstimmig und freudigen Herzens unterschrieben haben! (Lebhafter wiederholter Beifall.) Das will mir nicht in den Sinn und Lichtenberg hat recht: wenn jetzt die Sache abgelehnt wird, dann sind Formalien und Lappalien wichtiger. (Lebhafter Beifall.)

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