Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 151 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4926451-6352298-6352429--1898-4927986- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
151 süllung der staatsbürgerlichen Pflichten stärken wollte. Ich war also außerordentlich entgegenkommend, aber die Süddeutschen sagten, lieder l>r. Apfel, den letzten Passus können wir nicht brauchen, Ich fuhr zu Gustav Löffler nach Frankfurt, um einen Ausweg zu finden. Wir einigten uns auf eine Formulierung — der Wortlaut ist mir im Augenblick, nicht gewärtig, deren entscheidender Passus auf das ..Heimatsgefühl" pointierte. Ich kam nach Berlin zurück und sagte: Kinder, ich kann dem Verband nicht auf einmal zu viel zumuten; ich werde selbstverständlich für meine Ideen weiter kämpfen, wenn ich dann die Resolution, die zur tätigen Anteilnahme am Aufbau des Vaterlandes auffordert, einstimmig durchbekomme, wenn weiter die süddeutsche Forderung an den Centralverein, seine Jugendgruppen uns zuzuführen, durchgeht, dann kann ich sagen, mein Verband hat Farbe bekannt, und mehr brauche ich nichts Aber noch eines habe ich mir gesagt: ich werde peinlich genau auf den Geist, aus dem heraus mein Antrag bekämpft wird, achten.. Selbst als ich gestern in die Vorstandssitzung hineinging, habe ich mir noch gesagt, dieser heiligen und schönen Sache mußt du ein Opfer bringen, selbst auf Kosten deines persönlichen Ansehens. Aber was ich gestern in-der Vorstandssitzung hörte und das, was mir heute hier zum Teil aus vielen Reden entgegenschallte, was ich hier von den Gegnern meines Antrages gehört habe, das macht es mir unmöglich — ich fühle, daß ich mit jeder Minute im Namen einer immer größer werdenden Mehrheit spreche (Stürmischer Beifall) — auf die Bekundung der vaterländischen Gesinnung zu verzichten. (Große Bewegung, stürmischer langandauernder Beifall.) Meine lieben Freunde, ich glaube, wir kommen dadurch, daß ich einmal ganz offen spreche, besser vorwärts. Nun wurde heute immer gesagt: Wir werden bei der ganzen Geschichte das Gefühl nicht los: Centralvereinseinfluß! antizionistische Tendenz! Zum. letzten Male schwöre ich Ihnen mit meinem Ehrenwort im Angedenken an die ganze Arbeit, die wir gemeinsam geleistet haben, im Angedenken an die Freundschaft, die viele von uns bis zur Brüderschaft verbunden hat, daß es mein innigster Wunsch ist, daß die Zionisten weiter mit uns arbeiten, daß sie in doppelter und dreifacher Zahl in unseren Verband hereinkommen, ja, daß ich sie am liebsten samt und sonders bei uns sehen'wollte. Wenn Sie mir nunmehp nicht glauben wollen, dann kann ich den Jugendverband nicht mehr leiten, selbst, wenn Sie meinen Antrag einstimmig annehmen. Um Ihnen das letzte Entgegenkomen zu zeigen, bin ich bereit, obwohl es eine Tautologie, ein Zweimalsagen ist, im § 3 ganz im Anfang zu. sagen: „Die Verbandsverekne erstreben unter bewußter Wahrung der Neutralität nsw." Persönlich würde ich sogar noch weiter gehen. Abstimmungen über solche Angelegenheiten sind ein Ding der Un- Möglichkeit. Ich glaube zwar nach allem, was ich mir statistisch ausgerechnet habe und nachdem ich bemerkt habe, daß in den letzten Tagen und Stunden viele Vereine, ja ganze Bezirksgruppen, nachdem sie mich persönlich gehört haben, mir zustimmten, daß für meinen Antrag eine rechnerische Mehrheit da ist. Viele sagen sogar: wenn du fest bleibst, erhältst du die ^-Mehrheit. Es fällt mir aber im Traum