Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 150 (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
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150 tragen sind — ein paar dissentierende gibt es natürlich unter 40000 Menschen immer — ist einfäch ein Ding der Unmöglichkeit. Als ich meinen Antrag dem Verbgndsvorstand vorlegte und sagte, »vir müssen jetzt unsere vaterländische Gesinnung bekunden, bin ich in die Sitzung hineingegangen, um meine Freunde im Vorstand zu befragen, mich mit ihnen zu beraten, mit ihnen zu überlegen. Gegen- und Widerrede zu hören. Ich bin garnicht in die Sitzung gegangen, »in etwa einen cause c£15bre zu schaffen; als ich aber dort die Gegenargumente hörte, die ich mit Absicht nicht wiederhole, weil es mir peinlich ist, sie der Oeffentlichkeit zu unterbreiten, habe ich mir gesagt, jetzt mutzt du fest bleiben. Aber ich gestehe Ihnen offen, ich wollte garnicht so furchtbar festbleiben, sondern schrieb zunächst noch einmal an die Führer der Vereine: Liebe Freunde, ich habe vor, den und den Antrag einzubringen, die und die-Motive bewegen mich. Ich habe den Brief garnicht stilisiert, ich habe ihn einfach vom Herzen herunter diktiert, einen vertraulich-freundschaftlichen Brief: sagt mir einmal offen und ehrlich Eure Gründe und Gegengrllnde. Tie Briefe, die ich als Antwort erhielt, es waren etwa 60—70, sind fast durchweg wundervolle Dokumente unserer Jugendbewegung, sie sind teilweise mit dem Herzblut der Verfasser geschrieben. Die meisten schrieben mir: Lieber Hr. Apfel,'was Sie wollen, verstehen wir. Wir halten den Zeitpunkt aber nicht für richtig, es mutz anders gemacht werden; wenn Sie darauf! bestehen, geht der Verband einer Katastrophe entgegen. Ich sah also, so kommen wir nicht weiter, da lehnt sich dein ganzer Verband gegen dich auf, suche also einen Ausweg. Ich wußte, datz in Süddeutschland die Vereine anfingen, sich wieder sehr zu rühren, daß sie mehr Fühlung mit dem Verbände verlangten, und da ich vernahm, daß Rechtsanwalt Kaufmann in Mannheim in anerkennenswerter Weise die gesamten süddeutschen Vereine zusammengerufen hatte, fuhr ich nach Mannheim hin und sagte: Ich komme nicht zu Euch, um Euch meinen Antrag aufzuoktroyieren, wir sind aber in der Sackgasse, wir werden von rechts und links zerquetscht oder fallen auseinander, helft mir heraus, sagt mir, wie wir der Jetztzeit gerecht werden können, helft mir, etwas zu finden, was unserer Telegierten-Versammlung zusagend erscheinen wird. Um es hier gleich einzuschalten: wie kann man mir denn überhaupt vorwerfen, daß ich den . Antrag einbringe? Ich bringe den Antrag ein, weil ich ihn für richtig halte. Sie können ihn ja ablehnen. Wie kann man mir deshalb, weil ich Ihnen einen Antrag unterbreite, vorwerfen, ich treibe Tespotenpolitik von oben. Zum Donnerwetter! Warum soll ich als einziger unter Ihnen nicht berechtigt sein, einen Antrag einzubringen? — In Mannheim machte ich einen Zurllckzieher, ich versprach dort: gut. ich will den Antrag zurückziehen, aber ich verlange, daß unser Programm positiv formuliert wird und wir deutlich sagen, was wir wollen. Ich konzedierte schließlich, daß ich mich mit der Formulierung begnügen wolle, die heute Herr Kaufmann und Herr Lazarus ein gebracht haben, die ich selbst, entworfen hatte, in der ich das Solidaritätsgefühl unserer Mitglieder durch Betonung des jüdischen Brudergefühls und durch die treue Er-