Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 149 (sequence 101)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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149 Standpunkt nicht gewahrt zu sehen und verhindert zu sein, ihn zu betonen. Wenn Sie meinen Antrag üicht annehmen, ist die Situation also folgende: Auf der eine« Seite haben Sie die zionistisch-nationaljüdischen Jugendvereine, die zwar nicht so glänzend organisiert sind, wie das vielfach angenommen wird; da wird noch mit sehr viel Wasser gekocht, insbesondere^sind sie auf dem Gebiet der'Jugendpflege fast völlig unorientiert — auf der anderen Seite haben wir Tausende und Abertausende von Menschen, die nicht zu uns hereinkommen können. Allerdings mutz ich da eine Einschränkung machen, denn aus dem süddeutschen Antrag gegen den Centralverein entnehme ich, datz meine Gegner sogar den Centralverein ersuchen, seine Jugendgruppen zu uns hereinzusenden. Ich habe nicht gewußt, datz das bisher erlaubt war, vielleicht hätte ich dann meinen Antrag garnicht eingebracht. Wenn Sie meinen Antrag ablehnen, gewitz, dann haben Sie den Verband erhalten, aber vergessen Sie doch nicht den wunden Punkt unseres gesamten Verbandslebens. Unser Verband äst vom Standpunkt des Parteiwesens aus gesehen eine Mittelorganisation mit allen Vorzügen und Fehlern einer solchen. Die Schicksale der natioualliberalen Partei in Deutschland hingen immer davon ab, welche « Führer sie hatte. Wie alle mittleren Parteien steht und fällt unser Jugendverband damit, wer seine Führer sind^ wenn auch Löffler sich . noch so sehr Mühe gibt, durch seine Anträge den Boden solider zu fundieren. Nun beherzigen Sie folgendes: Der Jugendverband darf nicht von einzelnen Personen abhängig sein. Die jetzigen Füh-' ■ rer müssen allmählich wechseln, es muß junges Blut hineinkommen, Ein solcher Wechsel ist aber nur möglich, wenn der Verband ein solides Fundament hat. Bei Ablehnung meines Antrages werden die nächsten Jahre wieder mit diesen entsetzlichen Neutralitätsdebatten ausgefüllt. Auf der einen Seite werden Me sich mit gewissen Centralvereinsleuten, auf der anderen Seite 'mit gewissen Zionisten Herumbalgen müssen. Ruhe und die Möglichkeit sicherer zur Arbeit anregender Führerschaft werden Sie nicht haben. Bei Annahme meines Antrages hingegen wird in diesen Dingen nach einer gewissen Krisenzeit vollständig Ruhe herrschen. - - Ich halte es für nötig, recht deutlich zu interpretieren, warum ich heute morgen gesagt habe, daß ich mich für verpflichtet halte, den Juden gegenüber zu betonen, daß wir deutsch-vaterländische Geünnung pflegen wollen. Für meinen Antrag waren übrigens in den ersten Wochen kaum zehn Verbandsvereine zu haben, heute sind nach meiner Schätzung bereits die Mehrheit der Vereine dafür. Ich will Ihnen aber beichten, was Sie fast alle übersehen haben, auch meine Gegner: Ich brauche für meinen Antrag eine ^-Mehrheit! „ Aber: Beschlüsse auf Grund von Mehrheitsabstimmungen sind für eine Jugendbewegung ein Ding der Unmöglichkeit. Sie, können mit Mehrheit darüber abstimmen, ob im Saale geraucht werden darf oder wie lange di« Redezeit sein soll, aber eine Jugendbewegung zu leiten, ohne datz die grundlegenden Beschlüsse von Einheitlichkeit ge-