Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 126 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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126 leien als vaterlandslose Gesellen betrachtet hat, so hat das wahrlich Unglück genug gebracht, und wir wollen, weiß Gott, das doch nicht mitmachen. (Lebhafte Zustimmung.) Die Sozialdemokraten müßte»» sagen, es ist mit ihren Parteiprinzipien nicht vereinbar, wenn wir hier erklären: wir können vaterländische Gesinnung nicht betonen, weil wir sie hinausdrängen würden. Ich glaube, sie würden sich auf das entschiedenste dafür bedanken. Meine Damen und Herren, ich glaube also. Ihnen gezeigt zu haben, daß von den Gründen, die.hier gegen Aufnahme des Passus „vaterländische Gesinnung" vorgebracht worden" sind, tatsächlich nicht ein einziger stichhaltig ist. (Sehr richtig!) Und nun positiv: was heißt für mich vaterländische Gesinnung? Wir alle wollen bauen — das haben wir durch unsere Resolution bekundet — an emem neuen Deutschland, an einem neuen Saterland. Daß für uns in diesem neuen Vater- ' land die alten mißbrauchten Begriffe nicht gelten, ist doch selbstverständlich. Ich gebe zu, das Wort „deutschvaterländisch" kann zu Verwechselungen führen mit dem Parteibegriff deutschnational. Aus diesem Grunde heißt es in dem Antrag neuer Fassung auch nicht Mehr deutsch-vaterländische, sondern schlicht vaterländische Gesinnung. Aber, weil die Antisemiten und die Deutsch-Nationalen mit diesem Begriff Unfug getrieben haben, können wir uns nicht darüber hinwegsetzen, daß der Begriff „Vaterland" ein Begriff ist. der Ewigkeitswert hat, ein Begriff, den wir aus unserem ganzen Fühlen und Denken garnicht streichen können. Wie jemand sagen sann, „vaterländisch", „Vaterland" ist etwas Reaktionäres — das ist. meine Damen und Herren — nehmen Sie es mir wirklich nicht übel — eine Begriffsverwirrung, die wirklich nur aus dieser Revolutionszeit, wo nun alles zu unterst und zu oberst gekehrt wird, geboren sein kann. (Sehr richtig!) Ter Begriff „Vaterland" ist etwas, wogegen niemand von uns sich sträuben kann. Mit dem Vaterland werden wir geboren. Und der Jugend das innere Erlebnis der Liebe zum Vaterland zu geben, das ist eine Aufgabe, der ein Jugendverein sich unter keinen Umständen entziehen kann. (Stürmischer Beifall.) Und darum, meine Damen und Herren, aus diesem Grunde, weil die Bekundung dieser Gesinnung einfach nicht trennbar ist von einer Jugendvereinsarbeit — aus diesem Grunde bitte ich Sie, nehmen Sie diesen Antrag an und schwächen Sie ihn nicht ab, ersetzen Sie ihn nicht durch „staatsbürgerliche Pflicht", was etwas Verstandesmäßiges ist, und ersetzen Sie ihn nicht durch eine Resolution. Ein Wort möchte ich noch zu dem Unterschied zwischen der ersten Fassung des Antrages Dr. Apfel und der jetzigen Fassung sagen. Der Unterschied liegt darin, daß gerade die erste Fassung das nicht enthielt, was wir unbedingt brauchen und haben wollen. Die erste Fassung enthielt nicht unser wirkliches Programm (Sehr richtig!), sondern sie griff eben auch nur einen Gesichtspunkt heraus; und das konnte mißverständlich wirken. Der große Fortschritt der zweiten Fassung ist, daß sie unser ganzes positives Programm enthält. Run,