Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 125 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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125 einen wie der änderen Seite sind sich über das Prinzip klar, daß die Ausländer mitwählen. Es herrschen noch gewisse Differenzen über die Karenzzeit, die man verlangt. Da ist kein Zweifel mehr, das ist positiv sicher. (Zuruf: Bei den Gemeindewahlen war dieselbe Sache, da sind sie genau so ausgeschlossen.) Fräulein Dr. Berliner: Ich glaube, daß wir uns um diese Frage den Kopf nicht zerbrechen dürfen, weil cs wirklich eine Frage ist, die durch die kommende Regierungspolitik in allerkürzester Zeit nicht mehv existieren soll. Es heißt weiter, daß diejenigen unserer Verbandsbereine, die in Gebieten liegen, die von Deutschland voraussichtlich äbgetrcnnt werden, dann nicht mehr zu uns gehören könnten, weil sie einen solchen Paragraphen nicht annehmen können. Aber wir wissen ja doch ganz genau, daß wir diese Vereine —' so tiefschmerzlich das für uns ist — verlieren müssen, denn keiner der uns jetzt feindlichen Staaten, weder die Polen noch die Frvnzosen, werden irgendeinem Verein gestatten, einem rein deutschen Verbände anzugehören. Auch dieser Einwand scheidet also aus. Es wird weiter eingewendet — i. B. von Herrn Or. Kahn, aber auch von anderen —r wir verlieren dpdurch den Zusammenhang mit dem Gesamtjudentum, mit dem Judentum der ganzen Welt, der uns so unbedingt notwendig ist. Auch icjh stehe auf dem Standpunkt, daß wir den Zusammen- Hang mit dem' Gesamtjudentum brauchen und daß wir ihn wieder finden müssen.; Aber, meine Damen und Herren, dadurch stärken wir unsere Position innerhalb des Gesamtjudentums jedoch nicht, daß wir die Betonung vaterländischer Gesinnung fortlassen. Ich erinnere diejenigen, die! dabei gewesen sind, an unseren vorigen Delegiertentag in Frankfurt.a. M. Damals hatten wir die Freude, eine Abordnung des jüdischen Jugendvereins aus Paris in unserer Mitte zu begrüßen. Es waren Vertreter eines Jugendvereins, die im.wesentlichen auf unserem Boden standen, die hatten sowohl in ihrer Satzung wie in allen ihren Bekundungen immer wieder' auf das schärfste gesagt: wir sind Franzosen. Und wir würden in der Achtung der außerdeutschen Orga risationen durchaus nicht steigen, wir würden noch, mehr in ihrer ilchtung sinken, wenn wir nicht genau so gut und gerade in der g, genwärtigen Zeit sagen wollten: wir sind Deutsche. (Lebhafter Beüall.) Aber, meir e Damen und Herren, Sie haben die Betonung der vaterländischen Gesinnung in der heute morgen angenommenen Resolution unzweid eutig bekundet. (Zuruf: Also!) Wenn das nicht nur" keine Phrase sein soll, dann begreife ich nicht, weshalb Sie es aus der Satzung heraullassen. (Zuruf: Es genügt doch!) Schließlich ist nun noch vielfach behauptet worden, wir trieben mit der Beton: ng vaterländischer Gesinnung nicht nur die Zionisten heraus, wir trieben damit auch diejenigen heraus, die politisch weit links standen. (Sehr richtig!) — Nein, das ist durchaus nicht sehr richtig. Auch der Sozialdemokrat, der unabhängige genau wie der Mehrheitssozialdemokrat, steht auf vaterländischem Boden. (Sehr richtig!), äßen t die alte Regierungspolitik die Anhänger dieser Par-