Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 124 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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124 jorität auf diesem Standpunkte steht. (Sehr richtig!) Nun ist von fast allen gesagt worden: Tas positive Programm, wie ihr es formutiert habt, ist im allgemeinen gut, aber ihr müßt den Begriff „vaterländische Gesinnung" entweder heranslassen, oder durch einen anderen Begriff ersetzen. Ich will auch hier das nicht wiederholen, was Herr vr. Krombach gesagt hat. Ich bitte Sie nur, mir einmal einen Augenblick in dem Gedankengang zu folgen: Was ist gegen diesen Begriff „vaterländische Gesinnung" gesagt worden? Es ist gesagt worden, wir drängen damit die Zionisten hinaus. Nun, meine Tarnen und Herren! Ich habe von keinem unserer zionistischen Freunde irgendetwas gegen vaterländische Gesinnung als solche gehört. Wir sind uns also in der Sache einig, und ich glaube nicht, daß irgendeiner von unseren Freunden unter den Zionisten — denn nur mit denen habe ich mich ja auseinanderzusehen und nicht mit denen unter den Zionisten, die unsere Gegner waren und unsere Gegner bleiben werden —, daß irgendeiner von unseren Freunden bei uns austreten würde, wo wir etwas wollen, was auch sie sachlich wollen, und uns nur in der Ausdrucksform von ihnen unterscheiden! (Zuruf: Tie Ausländer.) Kommt gleich! Sie werden nicht wegen einer solchen Lappalie austreten (Widerspruch und Unruhe), ja, wegen einer solchen Lappalie, ob man etwas, das man selber fühlt, sagen soll oder nicht sagen solk. (Sehr gut!) Tas ist doch etwas «ein Formales, und aus diesem Grunde kann man doch nicht einer Bewegung, der man sich zugehörig fühlt, den Rücken kehren. (Zuruf: Es kommt darauf an, wie man es sagt!) j Nun wird weiter gesagt: Tieses Betonen der „vaterländischen Gesinnung" drängt die Ausländer aus unseren Vereinen heraus. Gewiß, wir haben eine ganze Reihe von Ausländern im Verband. Ick> begrüße das auf das rvärmste. Aber weshalb die Ausländer aus unserem Verbände herausmüssen, wenn wir die Pflege vaterländischer Gesinnung in unser Programm aufnehmen, kann ich durchaus nicht verstehen. Wer sind denn diese sogen. Ausländer? Wir wissen doch alle, daß die überwältigende Mehrheit von ihnen einfach Menschen sind, denen eine verfehlte Regiernngspolitik die Einbürgerung in Deutschland versagt hat. Ich glaube, daß diese Ausländer selber gar nicht daran denken würden, aus dem Grunde bei uns auszuscheiden, weil wir vaterländische Gesinnung betonen. Die Mehrheit von denen, die bei uns im Verbände sind — es gibt auch andere, aber die sind ja nicht bei uns — fühlen sich deutsch und wollen Deutsche sein und werden ganz selbstverständlich, wenn, waL wir hoffen, in allernächster Zeit die Einbürgerung möglich wird, sofort von ihrem Rechte der Einbürgerung Gebrauch machen. Ich glaube, wir reden hier über die Tinge, die wirklich gänzlich überholt sind. (Widerspruch.) Nein, meine Damen und Herren, es denkt kein Mensch daran, und ich darf auch das hier betonen, diese deutschen Juden fremder Staatsbürgerlichkeit vom Kongreß ausschließen zu wollen. Vorsitzender Dr. Apfel: Um das wegzuräumen: Ich habe den betreffenden Verhandlungen beigewohnt. Sowohl die Führer der