Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 122 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Erwägungen gekommen. Zum Schluß seiner Ausführungen hat er aber von den „Kameraden" gesprochen. Er hat gesagt, wenn wir den Antrag Apfel nicht annehmen, dann bleiben diese „Kameraden" unserer Jugendorganisation fern. Ja, ist das denn nicht auch eine politisch' taktische Erwägung, die ihn dahin führt, für den Antrag Apfel zu sprechen? Wenn er dann aber — und ich bin Herrn vr. Kurt Alexander sehr dankbar, daß er hier wirklich nicht so taktisch gesprochen hat, wie die Herren am Vorstandstisch gewünscht hätten — gesagt hat, die Neutralität hat Grenzen, so sage ich: Neutralität, die abgegrenzt wird, ist keine Neutralität mehr. (Sehr richtig!) Also meine verehrten Damen und Herren, ich bitte Sie dringend, lehnen Sie aus dem Antrag Apfel den Passus „vaterländische Gesinnung" ab. Ich habe beantragt, den § 2, dessen Fassung mir sonst sehr gut gefällt, ohne diese „vaterländische Gesinnung" anzunehmen. Daniit ist nicht gesagt — das kann uns keiner zum Vorwurf machen — daß wir dadurch einen unvaterländischen Standpunkt einnehmen, wenn wir diese Worte auslassen. Und wenn das etwa irgend wer lagt, dann braucht uns das nicht zu genieren. Tenn die Leute, die das sagen, werden wir nie bekehren. Es sind die Leute, die» in der Fricdrichstraße die Broschüren verbreiten lassen über den Anteil des Judentums an dem Verfall Deutschlands. Die Leute werden Sie nicht bekehren und wenn Sie einen ganzen Tag lang nur Hurra schreien. (Sehr richtig!) Wenn Sie aber meinen Antrag nicht annehmen wollen, weil Sie den Antrag Apfel entweder vollkommen angenommen haben wollen oder ihn lieber ganz ablehnen, dann bin ich auch dafür, daß man den 8 2 vollkommen aus dem Statut hcrausläßt. Wir sind bisher mit dem § 1 allein ausgekommen und werden auch noch weiter mit dem 8 1 auskommen. (Widerspruch) Es kommt nicht auf Worte und nicht auf Buchstaben und gedruckte Sätze an, sondern es kommt auf den Geist an, der uns beseelt. (Sehr richtig! Lebhafter Beifall.) Leider haben wir heute von diesem Geist noch sehr, sehr wenig gesprochen. (Sehr richtig!) Die einzigen positiven Aufgaben, die heute zur Debatte standen, sind die Palästina-Arbeit und die Kongreßfrage. Und wie betrübend ist es, daß wir über eine so enorm wichtige Frage, wie die Palästinafrage, gar nicht sprechen konnten, sondern uns in dieser fruchtlosen Debatte über einen Antrag zermürben mußten, der ein Unglück für den Verband ist. tSehr richtig! und lebhafter Beifall.) Meine werten Damen und Herren! Noch ein Wort zum Kongreß. Die Kongreß-Resolution des Verbandsvorstandes unterschreibe ich auch niit der einen Maßgabe, die einfach nicht von der Hand zu weisen ist, daß wir die ausländischen Juden nicht ausschließen dürfen. Ich habe den Abänderungsantrag gestellt, er deckt sich mit einem anderen, daß wir statt „deutsche Juden" sagen „Juden, die in Deutschland ansässig sind". Es geht nicht an, ausländische Juden, die in Deutschland wohnen, die im übrigen an jüdischer Arbeit und in jüdischen Fragen mittun, auszuschließen, wenn es sich darum handelt, eine große jüdische Gesamtorganisation in Deutschland zu schaffen.