Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 121 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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-/ — -121 ist, was Herr I)r. Apfel unter vaterländischer Gesinnung versteht. Ist das nicht ein Begriff, der überaus flüssig ist? Wir alle stehen^ das ist von uns allen immer betont worden, in der Sache selbst auf dem gleichen Standpunkt, wir lieben unser Vaterland, wir lieben unsere Heimat. (Vorsitzender Dr. Apfel: Na also!) Gerade unsere Arbeit, durch die wir »ns auf dem Boden eines Positiven Judentums zu ethisch hochstehenden Menschen erziehen wollen, ist vaterländisch im höchsten Sinne. (Sehr richtig!) Aber ist es deswegen" nötig, eine Terminologie in unsere Satzungen hineinzubringen, die durch die' vergangenen Jahre höchst anrüchig' geworden ist? (Sehr richtig!) denn mit dem Wort „Vaterland", wie teuer es uns allen auch sein muß, ist ein maßloser Unfug in den.vergangenen Jahren getrieben worden (Sehr richtig!), und zwar von solchen Leuten, die die Vaterlandsliebe allein gepachtet zu haben glaubten und die Teutschland an .den Rand ,des Abgrundes gebracht haben, an dem wir jetzt stehen. (Sehr richtig! Zuruf: Tip regieren aber heute nicht mehr!) Und wenn sie heute nicht mehr regieren, dann ist es doch nicht unsere Sache, die Arbeit der al^en Reaktion zu betreiben und positiv gerichtete Juden, sei es, weil sie radikale Zionisten sind, sei es, weil sie aus anderen politischen Gründen mit dem Apfelschen Antrag nicht einverstanden sein können, ans unserer Arbeit hinauszutreiben. Soll die Konsequenz des Ilpselschen Antrags sein, daß die Ausländer aus unseren Vereinen und dem. Verband ausgeschlossen werden? Wie können wir Ausländer noch in unseren Vereinen dulden, wenn wir als Positive Aufgabe unserer Arbeit die Pflegej deutsch-vaterländischer Gesinnung uns zur Aufgabe machen?! (Sehr richtig!) Ich habe nicht gehört, daß Herr Dr. Apfel vorschlägt, daß! diese Ausländer aus unseren Reihen ausscheide» müssen, deren Arbeit sicherlich in einzelnen Verbandsvereinen übei^ aus wertvoll war. Unser Wiesbadener Verein z. B. ist von einem Ausländer gegründet worden. Die Leute, die so positive und so gute Arbeit für unsere Sache getan haben, sollen wir eines Aushängeschildes wegen vor den Kopf stoßen (sehr richtig!) und aus unseren Vereinen hinauswerfen? (Lebhafter Beifall.) Vorsitzendet Dr. Apfel: Herr Landsberg, Sie haben schon eiiv' Minute zu lang gesprochen. Zuruf: Weiterreden! Vorsitzender Dr Apfel: Wie fange? Landsberg: Ich möchte gern noch 10 Minuten sprechen., Vorsitzender Dr. Apfel: Das ist ein bißchen lange! Landsberg: 8 Minuten! Vorsitzender Dr. Apfel: 8 Minuten! Nun gut! (Stürmische Heiterkeit.) Meine verehrten Damen und Herren! Der Antrag Apfelist also auch aus ganz! anderen Gründen abzulehnen als aus dem, weil Zionisten vor den Kopf gestoßen würden. Für mich würde selbst^ verständlich allein schon die Tatsache genügen, daß wir die Mitarbeit der Zionisten in unserer Organisation vollkommen entbehren müßten, um diesen Antrag abzulehnen. Daß diese Mitarbeit überaus wertvoll ist — ich glaube nicht, pro domo zu sprechen — werden Sie doch alle nicht verkennen. Dann hat Herr Dr. Kurt Alexander gesagt, die Gegnerschaft gegen diesen Antrag Apfel sei aus politischen