Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 105 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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105 .vaterländisch' worden. Wo rung zu rektif zieren. Es geht entschieden zu weit, wenn der Redner sagt, in dem 8 usdruck „vaterländische Gesinnung" liege ein Gistzahn. vr. Lewin-Leipzig: Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mißverstanden sein sollte. Ich selbst stehe auf vaterländischem Boden. Wie ich den Ausdruck, der mir eben bedauerlicherweise unterlastfen ist, meine, werde ich ausführen. Der Ausdruck ist nun einmal in unserem Parteileben mißbraucht er außerhalb des Judentums gebraucht wurde, ist er ein Schlagtvort für Antisemitismus geworden, wo er innerhalb des Judentums gebraucht wurde, ist er ein Deckmantel für Antizionismus. gelüstet es uns, in jüdischem Gewände etwas wie-die Deutsche Vaterilandspartei wieder auferstehen zu lassen? Ich brauche Sie nur an diese Partei zu erinnern. Sie wie auch die „Deutschnationale Bolkspartei" zeigt, daß in der Tat der Terminismus „vaterländisch"! nun einmal ganz und gar mißbraucht worden ist und seinen ursprünglichen guten Sinn verloren hat. Er würde bewirken, übernähmen wir ihn. in unser Programm. daß jwir die Zionisten hinausdrängten und auf Extreme festlegt^n, die ihnen selber nicht passen, daß wir die Ausländer verlören, von. denen wir auch einen erheblichen Prozentsatz ist unseren Reihen finden. (Sehr richtig!) Wenn wir uns nachträglich zil ihm bekennen in einer Zeit, wo niau genügend durch die Tat betonen könnte, was vaterländisch ist, so verwässern wir nur durch Redseligkeit das Blut, das draußen auf dtzn Schlachtfeldern von deutschen Juden vergossen worden ist. (Lebhafter Beifall.) Wir ziehen nur die selbstverständliche Pflichterfüllung in Zweifel, die insbesondere auch von National-" juden und Zionisten, Tag um Tag, wie ich selber bezeugen kann und bezeugen!muß, draußen geleistet worden ist. (Sehr richtig!) Und deshalb bitte ich Sie, diesen Ausdruck, der zu Mißverständnissen führen könnte, zu vermeiden und das Wort durch den besseren Terminus „staatsbürgerlich" zu ersetzen, der inhaltlich dasselbe besagt (Sehr richtig l)s aber nicht mißbraucht worden ist und von jedem Zionisten unbesehen unterschrieben werden kann. Aus der Annahme . dieses Ausdruns folgt natürlich nun auch für die Zionisten die Verpflichtung, daß sie in unseren Versammlungen nichts laut werden lassen, was dem zuwiderläuft. Es darf nicht Vorkommen, dclß von zionistischer Seite deutschwidrige Ausdrücke fallen, daß das Empfinden der deutstzfühlenden Mitglieder des neutralen Judenbundcs irgendwie verletzt oder geschmäht werde. Dann bitt; ich noch um eine Ergänzung, die dem Anträge Leipzig entspricht, der von Chemnitz und Plauen unterstützt wird. Es muß unbedingt die strenge Neutralität in den Statuten verankert werden. Es darf nicht Vorkommen, daß die Mitglieder den Argwohn hegen, es werdlen irgendwelche Seitenspriinge Vorkommen, es werden irgend welche Nachgiebigkeiten gegen diese oder jene Heißsporne und Scharfmacher im Centralverein sich Herausstellen. Die Neutralität, die unfern Verband geboren hat, hat ihn stark gehalten, und sie ist jetzt notwendiger, denn je, angesichts der antisemitischen Hetze.