Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 82 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Damen und Herren, diesen Zuruf verstehe ich nicht. Es ist ein Unterschied, ob die zionistische Bewegung mit gutem Recht ihre Jugendvereine gründet oder ob der Centralverein Vereine gründet, die unmittelbar als Jugendgruppen des Centralvereins anzusehen sind. Meine Zeit ist zu kostbar, um auf biese Zwischenrufe des weiteren einzugehen. — Es ist aber auch sachlich undenkbar, diesen Paragraphen anzunehmen. Lassen Sie mich ganz kurz mit Rücksicht auf die 10 Minuten, die mir ja jede tiefergehende Fundierung meines Standpunktes unmöglich machen, die Gründe angeben: Ein großer Teil der jüdischen Jugendvereine existiert im besetzten Gebiet. Ob diese Gebiete in Zukunft zu Deutschland gehören werden oder nicht, weiß man nicht. Ich kann mir sehr gut vorstellen, daß unsere Freunde dort das lebendigste Bedürfnis haben, weiterhin unserem Verbände anzugehören. Ter neue Vorschlag Apfels, wonach die deutsch-vaterländische Gesinnung Voraussetzung der Zugehörigkeit zum Verbände ist, macht den Vereinen den weiteren Verbleib im Verbände evtl, unmöglich. Hier läßt sich heute ein abschließendes Urteil keineswegs fällen. Es gibt leider ganz Jugendliche, die sich heute zur ertrem-sozialistischen, kommunistischen oder anarchistischen Lehre „bekennen". Von meinem orthodox-jüdischen Standpunkt aus betrachte ich diese jungen Leute als Irrende. Selbstverständlich bestreite ich keinen Augenblick die idealen Beweggründe, welche diesen Jugendlichen eigen sind. Als Verband aber muß uns die Möglichkeit gegeben sein, propagandistisch auf diese Art von Jugendlichen einzuwirken. Glauben Sie 'aber, daß wir bei diesen jungen Leuten irgend welche Aussicht haben, daß sie sich uns anschließen, wenn der § 1 unseres Statuts deutsch-vaterländische Gesinnung zur Voraussetzung hat? Gerade unsere Neutralität ermöglicht es uns. diese Jugendlichen wieder hinter unsere Flagge zu bekommen. So können wir pädagogische Aufgaben eminentester Art gerade hier lösen, während die Richtung Apfel von vornherein all diese von der Teilnahme an unseren Aufgaben ausschließen würde. Wir würden in den Augen dieser Jugendlichen mit Recht oder Unrecht als Reaktionäre bezeichnet werden können. Ich bin mir dabei wohl dessen bewußt, daß Apfel unter „vaterländisch" eine Vaterlandsliebe im besten Sinne der klassischen Philosophen versteht. Die Vaterlandsliebe der deutschen Juden bezw. derjenigen, die sich zum Vaterlande bekennen, ist aber etwas Selbstverständliches. Mein Vaterland habe ich mit allen Deutschen gemeinsam, mein Judentum ist eine Eigentümlichkeit, die mich in geistigen Dingen vielfach trennt und trennen muß. Meine Damen und Herren, es hilft auch nichts in der Abwehr des Antisemitismus, wenn wir unsere Vater-' landsliebe so laut betonen. Jene Demagogen, die bisher nicht an unsere Vaterlandsliebe glaubten, werden es auch in Zukunft nicht, werden es auch trotz aller Anträge Apfels niemals tun. (Sehr richtig!) Man kann die Verdienste Apfels um den Verband nicht hoch genug anschlagen, aber sie genügen nicht, um seine Glaubwürdigkeit bei den Antisemiten zu erhöhen! Wirkt diese Betonung der Vaterlandsliebe diesen" Antisemiten gegenüber in keiner Weise (Sehr rich-