Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 80 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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so in Verbindung mit I'r. Rieger, Braunschweig, verfaßt worden ist. In diesem schwungvollen Ausruf gilt und wird uns als die Grund-' läge unserer ganzen Bewegung die Neutralität hingestellt. (Sehr richtig!) Tiefe Neutralitätsdesinition, wie wir sie dort finden, ist so markig, klar und unantastbar, daß man es als eine unverständliche Tatsache betrachten muß. daß im gleichen Augenblick der Führer der Bewegung einen geradezu gegenteiligen Beschluß den Vorstandsmitgliedern zur Annahme vorlegt. Wo um Himmelswillen, so frage ich, lag denn eine Veranlassung zu einer so folgenschweren Gesinnungsänderung? Tas Merkwürdige in dieser Sitzung war, daß alle die Vorstandsmitglieder, die seiti'iber einem Jahrzehnt im Vordergründe der Bewegung stehen, e i n st i m m i g gegen die Annahme des Antrages Apfel waren. Tamals war auch Kollege Lichtenberg, Hannover. der beute ja sich grundlegend geändert hat, gegen Apfel. Jedenfalls, eine akute Veranlassung zu einer so plötzlichen Sinnesänderung lag nicht vor. Wenn Sie nun heute uns diesen Antrag vorlegen, so wird, sollte er in dieser oder auch nur einer ähnlichen Sorm angenommen werden, die Sprengung des Verbandes unvermeidlich fein. Tie beispiellose Einmütigkeit, die bisher im Verbände geherrscht hat, wäre ein für allemal geschwunden. Eine gegenseitige Bekämpfung der verschiedensten Richtungen wäre die Unterwühlung des Verbandes. Alle die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, kann ich hier nickt streifen, denn ich muß mich innerhalb 10 Minuten so kurz fassen, daß mir natürlich keinerlei Möglichkeit zu sonstigen Betrachtungen und Bemerkungen bleibt. (Zuruf: Verlängerung!) * Die Neutralität bildet die Plattform unserer Arbeit. Alles, was! geschieht, um diese Basis zu ändern, hat — Sie mögen es bemänteln und übertünchen wollen, wie Sie es auch immer wollen — ausgesprochen antizionistische Tendenz. (Sehr richtig!) Das mache ich aber nicht mit, zumal in einer Zeit, wo ich ein Zusammengehen und Zusammenarbeiten mit den Zionisten als notwendig und ungemein nützlich erkannt habe. Daß diese Paragraphenänderung rein antizionistischen Beigeschmack hat, wurde in der letzten Gesamtvorstands-? Übung im März seitens des Herrn Rabbiner I>r. Lange aus Essen, dem Vertreter des rhcinisch-westfälischen Bezirksverbandes, offen und unzweideutig zugegeben. Es sei sogar der Zweck. Wer will aber leugnen, daß viel warm jüdisch empfindende Mitarbeiterauch für unseren Verband bei den Zionisten zu suchen sind! Ich vermisse in dem Referat Apfels die großen Richtlinien, welche geeignet wären, den Weg, den die jüdische Jugend nunmehr einzuschlagen hat, zu zeigen. Seine Ausführungen sind nicht von dem großzügigen Weitblick, der notwendig ist, um uns der großen positiven Aufgabe der Gegenwart gewachsen zu zeigen. Unsere Neutralität war der Panzer, in welchem die verschiedensten Richtungen innerhalb des jüdischen Lagers Zusammenarbeiten konnten. Wir von der konservativen Richtung hatten hier die Möglichkeit, mit den Vertretern der äußersten Linken zusammen zu arbeiten. Bei uns fanden sich sowohl Zionisten als Antizionisten in vertraulicher Arbeit zusammen. Die großen Erfolge, die der Verband rein äußerlich