Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 73 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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73 tum und Judentum am Herzen liegt, durch all ihre Arbeit und ihre .(Vrnft niemals mehr gutmachcn können. Da mutz der Jugendverband bezw. die Vereine eintreten und mutz die staatsbürgerliche Schulung an seinen Mitgliedern vornehmen, mutz programmatisch: Selbstverständliches als Richtungslinie festlegen, das wird auch dem Zwischenrufer einleuchten, uni vor allen Dingen das Selbstbewutztsein in den Herzen der Jünglinge und der Mädchen' zu wecken, datz sie sehen, du bist nicht allein für dich verantwortlich, du bist für die (Gesamtheit mitverantwortlich. (Sehr richtig!) . Es wurde vorhin gesagt, wir wollen andere Moniente in Anipruch nehmen in unseren Jugendverbänden, nämlich vor allem jenes' hohe, heilige Ziel, das unsere Väter in früheren Jahren, im früheren Zeitalter deS Ghetto so sehr im Auge hatten: Selbstvervollkommnungsarbeit! Wahrlich, allein die Arbeit vermag uns jetzt gerüstet zu finden für die schwerste Zeit, die wohl in Deutschland je für das Judentuin angebrochen ist. Diese Arbeit kann nur dann vollführt werden, wenn über den Begriff Deutsch-national, Deutsch-vaterländisch überhaupt nicht mehr in unseren Vereinen ein Kampf besteht, sondern wenn sie eine selbstverständliche Grundlage bilden. (Sehr richtig!) Und auf der Grundlage müssen wir unserem Ziele und den hohen Aufgaben zustrcben, für das Judentum endlich'Juden zu erziehen, die nicht nur das Wort „Jude" im Munde führen, wenn es gilt, eine antisemitische Bewegung abzuwehren, sondern die unter dem Begriff „Jude" verstehen: Arbeit, arbeiten für seine Mitmenschen, Idealismus wieder haben, die Moral haben, sittliche und ethische Momente hineintragen in unsere Bewegung mehr als bisher. Und deshalb sage ich Ihnen: Ich für meine Person bin nicht nur gegen den zweiten Antrag des Herrn I)r. Apfel, sondern mit allem Bewußtsein für' den ersten Antrag. Ich war es auch auf jener Tagung als Vertreter des Rheinisch-westfälischen Bezirksverbandes, der dafür eingetreten ist. Ich bedauere unendlich, datz der Antrag von Herrn Pr. Apfel zurückgezogen worden ist. Aber Sie alle, die Sie hier versammelt sind, die Sie Ihren Vereinen Rechenschaft geben wollen, lassen Sie sich nicht von Augenblicksmomenten überraschen, lassen Sie nicht das Gefühl zu sehr walten: die Vernunft mutz Ihnen sagen, datz der heutige Tag ein Wendepunkt in der Geschichte des deutschen Judentums, der jüdischen Jugendbewegung sein mutz, ein Wendepunkt, weil als selbstverständlich in 8 2 unserer Satzungen positive Ziele uns vorgeschrieben werden: diesen positiven Zielen Vollen wir mehr als bisher nachgehen. (Lebhafter Beifall.) Vorsitzender Pr. Apfel: Es sind Anträge, zunächst gleichlautende, von zwei Seiten eingelaufen, und zwar auf der einen Seite ein Antrag von Herrn Pr. Landsberg und Herrn Capell-Wiesbaden; auf der anderen Seite von Herrn Kreutzberger-Königshütte, in 8 2 die Worte „vaterländische Gesinnung" zu streichen. (Bravo!• Unruhe.) Dann ein Antrag von Herrn Lehrer. Steinhardt-Magdeburg: „Die Verbandsvereine erstreben neben der Pflege des bewutzten Judentums die treue Betätigung im Di«rfte des Vaterlandes und Einfluß auf die sittliche Führung und die ethische und die geistige' 8,