Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 72 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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72 zu positiven Zielen übergehen. Deshalb muß ein § 2 kommen, der uns sagt, was wir wollen, was uns in Zukunft vor Augen stehen muß. (Lebhafte Zustimmung und Zuruf: Lauter Selbstverständlichkeiten I) Ich komme gleich auf Ihren Zwischenruf zurück. Ich habe in den letzten Wochen Gelegenheit gehabt, die Arbeit im Verbände zu beobachten. Da sah ich. daß viele Vereine in Deutsch, land.gegründet sind, die sich unserem Verband anschließen wollen, wodurch unser Jugendverband tatsächlich die größte jüdische Organisation, sowohl an Mitgliederzahl, wie auch an Arbeitskräften wird, aber die sich uns nicht anschließen können, weil ihr deutsch-vaterländischer Standpunkt, ausgedrückt in ihren Vereins-Leitsätzen, uns zwingt, aus Angst vor Verstoß gegen die Neutralität-, sie nicht oufzunehmen. Was heißt eigentlich deutsch-vaterländisch, deutschnational? Wir alle/ die wir durch die antisemitische Bewegung so furchtbar in unserem Dasein mitgenommen wurden, betrachten darunter Alldeutsch gleich antisemitisch, Deutschnational im alten Sinne ist für immer erledigt. Für uns heißt Deutsch-national: als deutscher Staatsbürger mitzuarbeiten am Wähle des Ganzen, mitzuarbeiten nicht aus dem Bewußtsein heraus, ob ich vielleicht eine Kränkung links oder eine Kränkung rechts vornehmen könnte. Für uns junge Juden heißt das eben, einen gemeinsamen selbstverständlichen Boden zu finden: Ihr Zionisten geht hin in unsere Vereine und arbeitet darin mehr als ihr bisher getan habt: Ihr vom Zentralvcrein hört auf mit Eurem Winterschlaf, geht hin, bekämpft die zionisftschen Ideen in unseren Vereinen, wir werden dann schon dafür Vorsorge treffen, daß die Neutralität gewahrt bleibt. Wir wollen eben, daß unsere jungen Juden, sobald sie aus der Schule entlassen sind, sich allmählich durch die Heranziehung im Verein ein Urteil darüber bilden sollen, ob Deutsch-national oder Jüdisch-national. Meine Damen und Herren! Tie Prinzipicnreiterei, die Wortklauberei ist wahrlich in unserer Jugendbewegung gar nicht am Platze. Ta entstehen oft Mißverständnisse, die gar nicht bestehen. Ich muß allerdings sagen, die Verbandsleitung als solche hat in recht ungeschickter Weise selbst durch irgend einen bedauerlichen Irrtum etwas ist die Bewegung hineingetragen, was gar nicht gewollt ist, was keiner will. Wir wollen nicht eine Kampforganisation gegen die Zionisten sein, wir wollen keine Neutralitätsaufgabe, wir wollen etwas Selbstverständliches haben. Und wenn vorher bei dem Apfelschen Dortrage dazwischen gerufen wurde, „das Vaterländische braucht für uns Juden nicht betont zu werden", so muß ich, der ich im politischen Leben sehr viel mitgearbeitet habe, sagen, es ist sehr wohl nötig. Tenn gerade bei uns jungen Juden gibt es sehr viele Heißsporne. Ich meine jetzt nicht Zionisten, ich meine auch nicht Politisch linksschattierte Elemente, ich meine aber jene Jünglinge, die intmer an erster Stelle stehen wollen und die in unverantwortlicher Weise ohne das geringste Gefühl der Verantwortlichkeit dort oft Reden führen, die wahrlich nicht mehr mit Vaterlandsliebe, nicht mehr mit dem Boden des Deutschtums in Einklang zu bringen sind. Dadurch erwächst dem Judentum ein Schaden, den all die, denen das Deutsch-