Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 198 (sequence 174)
- Language
- German
- Belongs to
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198 wollte: bei Len religiösen Problemen. Ich muß gestehen, daß das der Höhepunkt der Entwicklung ist, den unsere Bewegung durchgemacht hat. Ir. all den langen Jahren, in denen ich in der Bewegung stehe, habe ick für nichts weiter gearbeitet und nichts inniger herbeigesehnt als diese Stunde, diesen Augenblick, den ich die Kernstunde der ganzen Bewegung nennen möchte. Kehren wir doch zurück zu unserer ureigenen, ewigen Heimat, zum Ursprung aller Dinge, zum religiösen Gebiete! (Sehr'richtig!) Es ist unmöglich, Löfflers Referat in 10 Minuten durchzusprechen. An erster Stelle aber müssen wir an uns die Frage richten: Wie kani es eigentlich, welche treibenden Kräfte wareck vorhanden, daß heute ein tiefer Schrei aus der jüdischen Jugend nach der religiösen Seite hin sich bemerkbar macht? An den Krankheitsursachen können wir auch die Heilmethode erforschen. Das Löfflersche Referat ist so wundervoll, ich stimme mit ihm in jedem Punkte so überein, daß man am liebsten sich von jeder Kritik sernhalten möchte. Tie Macht der Realitäten wird, so fürchte ich, noch viel Wasser den Rhein hinuntersließcn lassen, bis diese Ideale in die Tat umgesetzt sein werden. Wo liegt die Ursache dafür? Es muß einmal offen gesagt werden, daß allein diejenigen Kreise, die heute mit bewußter Spitze gegen den Nationalismus das Religiöse so voll in den Mund nehmen, daß gerade diese Kreise es waren, die in der Gemeindeverwaltung die führende Rolle spielten, daß sie cs waren, die immer nach außen schielten, die immer nur Anleihen machten bei anderen Religionen, die immer beim Protestantismus auf Borg ausgingen, anstatt, wenn sie schon einmal entwickeln wollten, aus dem Judentum und durch das Judentum entwickelten. Es gibt Wahrheiten, die unentwickelbar sind, dieweil sie fest stehen, und dieses Letzte Ewigkeitsprodukt in sittlicher Höhe darstellen. So denken wir über das Wesen der jüdischen Religion. Das haben jene Stürmer, die den Kotau machten vor jedem Nichtjuden, den körperlichen und geistigen Kotau, nie verstehen können. Darum haben sie aus unserer Mitte ausgemerzt die wichtigsten und heiligsten Dinge: sie haben angefangen mit der hebräischen Sprache, dieser heiligen Sprache, die in sich die wichtigsten Gefühlsmomente zur Erhaltung unstrer Gemeinschaft birgt. Abgesehen von dem klassischen Werte dieser idealen Sprache, war von jeher nichts geeignetes, auf das Gemüt des jungen Juden einzuwirken, als der Klang der . Kindheitssprache unseres Volkes. Die Ehrfurcht vor dem Unendlichen, das Ergriffenwerden von den religiösen Wurzeln jüdischer Laute war diesen Männern wesensfremd. Und darum hat die Jugend ein Recht und die Pflicht, durch sich selbst und aus sich heraus die Entwicklung zum wahren Judentum, zum Religiösen, zur Thora zu verlangen und zu erkämpfen. (Sehr richtig!) Meine Damen und Herren! Das Herumdoktern aus Grund von Zufallswissen, das sich jüdische Laien innerhalb ihrer Einflußsphären heute erlauben, muß aufhören. Die Meinung, welche heute allgemein herrscht, daß das Judentum eine Religion, ein Glaube sei, so ein Glaube wie die anderen Konfessionen, ist grundlegend falsch.