Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 188 (sequence 164)
- Language
- German
- Belongs to
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188 dankbaren 'Scheideblick auf ihre beiden starken Strebepfeiler, die uns Vertrauen, unserem Schreiten Festigkeit gaben, auf Religion und Sittlichkeit. Und dies sei der Gruß, den wir, alles Gedachte verdichtend, in« Weiterwandern ihnen zurufen: „Wir wollen fein ein einiger Stamm von Brüdern, Me Treue wahren uralt heil'gem Bund, Wir wollen wandeln uns zu strenger Sitte Hütern, Den« ewigen Frieden bauen felsenfesten Grund!"" (Stürmischer, langanhaltender allseitiger Beifall.) Vorsitzender Dr. Apfel: Verehrte Delegierte! Es sind mannigfache Gründe, die uns dieses Referat mit tiefster Bewegung anhören ließen. Zunächst müssen wir feststellen, daß der gestrige Tag trotz mancher unerfreulichen Begleiterscheinungen mit dem heutigen zu einem großen Ganzen harmonisch zusammenklingt. Gestern war es wie ein Abschied t>on dem alten Streit der deutschen Juden, von den Gegensätzen in unserer Bewegung, wie ein Ausklingen. der Jugendstreitereien der Jugendbewegung. Aber erst nach dem harmonischen und überwältigenden Abschluß des gestrigen Tages war der Boden geschaffen für das Referat Gustav Löfflers. Wenn ich gestern wiederholt sagte, wir müssen unbedingt noch am gleichen Tage mit diesen Dingen zum Schluß kommen, dann wußte ich, was ich wollte. Die Errichtung dieses Marksteins der Entwicklung unseres Verbandes, den dieses Referat und die Aufnahme bei Ihnen bildet, war erst möglich, nachdem wir die Gegensätze unter uns in der wundervollen Verständigungsstunde gestern abend weggeräumt haben. Das ist ja ganz klar — darin hat Gustav Löffler recht — über die Not der Zeit, über all das, was uns bewegt, kommt der einzelne und unsere Bewegung nur dann hinweg, wenn wir uns selbst, die wir Führer sind, und die uns Anvertrauten dazu erziehen, unser Leben auf anderen Grundlagen aufzubauen, als es meisthin bisher der Fall war (Sehr richtig!) oder ich will es inilder ausdrücken, wenn es uns gelingt, das in uns loszulösen, was Löffler in uns loslösen wollte, indem er nämichl mit seinem Optimismus an das Gute in uns glaubt, das nur durch so viel Schutt und vielfach, durch unsere eigene Schuld iiberschüttet worden ist. Nunmehr - und das ist die historische Bedeutung des Monrents — haben wir int Verband ein neues vorbildliches Arbeitsfeld. Wenn wir es verstehen, diese Lösflerschen Thesen in bare Münze umzuwerten, dann hat unser Verband wirklich vorbildliche Arbeit für das deutsche Judentum und für alle Jugend - Organisationen geleistet. (Bravo!) Als ich gestern durch einen Zufall merkte, wie sich aut Abend Hans Goslar, der von der zionistischen Seite kommt, und Dr. Löffler trafen und, wie ich weiß, in ihrem Gespräch erwogen haben, wie die neue, sittliche, wahre Religiosstät von ihnen in ihre verschiedenen Jugendorganisationen hinein getragen tverpen soll, da habe ich gefühlt, daß hier vielleicht die Verständigungsgeknieinschaft geboren wird, die wir nötig haben und die erfolgversprechend erscheint. (Lebhafter Beifall.) i