Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 183 (sequence 159)
- Language
- German
- Belongs to
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183 Maße unter der zeitweiligen Enthaltsamkeit, die er sich selbst auferlegte. Die meisten von ihnen — und das hervorzuheben halte ich für meine besondere Pflicht — pflegten vorbildliche Freundschaft mit edlen Frauen, und das hat unzweifelhaft ihren Vorsatz gestärkt, ihre Stärke der Enthaltsamkeit gestählt. Um auch nicht-den kleinsten Bodensatz an Zweifel zu hinterlassen, betone ich noch, daß keiner der sittlich Starken meines Bcobachrungskreises etwa „geheimer Sünde" frönte und dadurch sein Nervensystem schädigte. Was aoer war's, das diese jungen Menschen über den gesunden Durchschnitt ihrer Altersgenossen emportrug? Ich betone ausdrücklich, daß wir nur Jugend von durchaus gesunder Fügung und gesund entwickeltem Triebleben gegeneinander wägen wollen; alles krankhaft Entartete bleibe unserer Betrachtung fern. In jenen sittlich Starken wirkte das höher geartete sittliche Verantwortlichkeitsgefllhl, der vorsätzliche, eherne Wille, in jedem Weibe die Schwester zu grüßen, keiner die Ehre zu mindern, der Schwachwilligen eingeborenes Schamgefühl zu stützen und nie aus weiblichem Erröten Mut zu schöpfen. Und schon habe 'ich Ihnen das Zauberwort genannt, durch das allein die Reform der heutigen Geschlechtssitten gewährleistet wird. Es heißt Wille,— Wille zur reiiun Lebensführung! Frei ist unser Wille. Dies ist unsere Größe, dies ist oft unser Elend. Denn wir sind ungebunden in der Entfaltung unseres Willens, so sind wir zugleich in jungen Jahren über seine Steuerung nur zu ofTIm Unklaren. Unsere Erzieher sollten Richtung gebend sein, und sie versagten zumeist bisher so kläglich. Charakterbildung bedeute künftighin-bei jungen Menschen um die Ait der geschlechtlichen Reifung Ein st eilen desjugendlichen Willens auf das Sittliche. Und wenn alle zur Juj^euderziehung Berufener: in Zukunft dies als ihre heilige Aufgabe betrachten, dann und nur dann wird's unseren Jünglingen nicht allzu-, schrver' fallen, ihren Fuß von schlüpfrigen Pfaden fernzuhalten. Nicht Aufklärung Uber die Gefahren außerehelicher sexueller Betätigung und über die üblen Folgen der Geschlechts-Krankheiten sei die erste Aufgabe der Lehrer in der Sexual-Hygiene, nicht Weckung von Furcht, denn das ist ein negativ-schwächlicher Wert und Besitz. Ueher die Natürlichkeit triebhafter Regungen im jungen Manne muß aufgeklärt werden, im gleichen Atemzuge aber auch über die Pflicht, den Willen zur Reinheit bis zur Ehe als Hüter über den Trirb zu setzen, lind statt der Scheu vor körperlichem Erkranken sind die Tugenden des Mutes, der Ritterlichkeit, der Tapferkeit wachzurufen und zu lneisen^Ist in diesen.vorbeugenden, erziehlichen Matznah ni e n die wichtigste und entscheidende Aufgabe gestellt und zugleich das einzige Mittel zur wahren Reform der Sexualethik gegeben, io harren der Jugendbildner doch noch manche Pflichten und damit noch i»anche Möglichkeiten auf den sittlichen Entwicklungsgang der Jugend gestaltenden Einfluß zu nehmen. Turnen, Wandern, Sport und Spiel schaffen wohlige Müdigkeit, übertönen die mitunter aufbegchrende Gier des Triebes und benehmen.mit der Müdigkeit die Neigung, ihm nachzugeben. Drum laute die Losung aus' ethischen Gründen: Ausbau unserer Turn-, Wander- und Sportgrup-