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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-05-01 · 2 (5.1919) · p. Seite 139

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
2 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 139 (sequence 115)
Language
German
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139 vergessen, wer immer bisher das Wort „Vaterland" im Munde gehabt hat? Und wie haben sich die Leute gestellt? Wer ist es denn jetzt, der in der Pfalz die großen Komplotte anzettelt, um zu Frankreich herüberzukommen? Gerade die Herren, die das Wort „Vaterland" im Munde geführt haben. Im Erfurter Programm steht kein Wort vom deutschen Vaterland, von vaterländisch Und trotzdem bin ich überzeugt, daß jeder Sozialdemokrat ebenso patriotisch denkt wie irgend ein Schlotbaron oder Krautjunker aus Osteibien oder wo her. (Lebhafter Beifall.) Die-Sozialdemokraten halten es für überflüssig und würden es als Beleidigung empfinden, wenn man ihnen sagte, Ihr müßt die nationale Begeisterung betonen. Das halten sie für so selbstverständlich — und da komme ich auf Herrn Kommerzienrat Nein zurück —, daß jede Betonung nur eine Abschwächung ist. (Zuruf: Und Scheidemann sagt: Reventlevi!) — Sehen Sie, da kommen wir auf positive Dinge; das ist eine Frage, über die wir zu sprechen haben, die Abwehr des Antisemitismus. Aber nicht aus dem Grunde ist die Partei antisemitisch, sondern aus anderem Grunde. Der um sich greifende Antisemitisums gibt Veranlassung, daß wir unsere Front geschlossen halten wollen und sie nicht trennen wollen, damit wir nicht noch leichter unterliegen werden als bisher. Also ich möchte kurz zusammenf-ssen: Neutralität, die richtig verstandene Neutralität ist nie nicht nur etwas Ideales, sie ist tak-. tisch glänzend, sie ist das beste Propagandamittel, sie ist die einzige Möglichkeit, die gesamte jüdische Jugend objektiv und einwandsfrei zu denkenden Juden, die nicht von vornherein auf ein Parteiprogramm gedrillt sind, zu erziehen. Sie ist die einzige Möglichkeit, und diese Angewohnheit zu nehmen, den anderen für einen Spitzbuben oder für einen Idioten zu halten, wenn er etwas anderes denkt als man selbst. Sie hat sich glänzend bewährt, und sie wird und sie muß aufrecht erhalten werden. Die Neutralität ist bößroht durch diesen Antrag. Ist der Antrag in gegenwärtiger Zeit opportun? Nein, er ist nicht opportun. Ist er notwendig? Nein, er ist nicht notwendig. (Sehr richtig!) Irgend welche Einflüsse — ich will das jetzt nicht näher ausführen — haben eben ein Interesse daran, daß dieser Antrag jetzt und in dieser Form gestellt wird. Aber diese Einflüsse dürfen bei uns nicht durchdringen. Ich darf Ihnen vielleicht in diesem Zusammenhang erzählen, daß Herr Justizrat Fuchs in Mannheim in einer öffentlichen Versammlung erklärt hat: wir verlangen jetzt von der jüdischem Jugend offen das Bekenntnis zu unserem Programm, Neutralitmi gibt es jetzt nicht mehr, entweder rechts oder links. Und ich erkläre'namens der süddeutschen Jugend: wir lassen uns vom Centralverein keine Gesetze vorschreiben (Sehr richtig!), wir waren vor dem .Centralverein auf dem Plan, und wir leisten unsere Arbeit im Sinne des Centralvereins sehr gern, aber der Centralverein muß rechnen, mit uns anders umzugehen, als er es bisher getan hat. (Stürmischer Beifall.) Die jüdische Jugend ber Begriff Jugend geht beim Juden bis zum 45. Lebensjahre. In üen Gemeindeverwaltungen sitzen nur Leute, die Arterienverkalkung haben. (Heiterkeit, Beifall und Unruhe.) Das muß ganz anders s

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