Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 138 (sequence 114)
- Language
- German
- Belongs to
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138 hinein gehört. Aber man könnte ja sagen, wie verschiedene Herren Vorredner gesagt haben: Jetzt sind wir uns darüber einig, wir lieben das deutsche Vaterland-, warum sollen wir das nicht in die Statuten hineinschreiben? Das klingt sehr schön. Aber hüten Sie sich davor, sich die Sache aus dem Zusammenhang der historischen Entwicklung herausreiben und stückweise vor die Füße werfen zu lassen. Das beurteilen die Draußenstehenden anders: aber unsere Freunde und Gegner beurteilen es nicht so, die beurteilen den Zusammenhang. Nur der Zusammenhang ist das Wesentliche. Herr I>r. Apfel schrieb einen Brief: Ich muß die Neutralität aufgeben in der und der Fassung. Dieser Brief gelangte in die Jüdische Presse. In der Frankfurter Jüdischen Presse stand ein mordsmäßiger Artikel darüber. Ja, Herr I>r. Apfel, da muß man sehr vorsichtig sein. Vorsitzender I)r. Apfel: Erstens stand im Briefe etwas anderes und zweitens auch in der Frankfurter Presse. I)r. Kaufmann: In dem Briefe stand nichts anderes. Ich bitte, ihn noch einmal zu verlesen. Es stand darin, daß nach, schweren Gewiisenskämpfen Sie sich veranlaßt gesehen haben zu dem von der Neutralität abweichenden Grundsatz. Es war ausdrücklich des näheren begründet. Ich gebe zu, wenn das nicht der Fall gewesen wäre, wäre die Einsetzung der vaterländischen Gesinnung in unseren Statuten diskutabel gewesen: vielleicht von meinem Standpunkte aus auch nicht. Heute geht es nickt mehr. Heute wird es draußen heißen, die Neutralität wird durchbrochen, weil wir „vaterländische Gesinnung" treiben, wenn auch nicht wörtlich, es kommt nicht auf Wortklauberei an. sondern auf den Sinn. Wir kennen ja den Sinn der Worte „vaterländische Gesinnung", der ihnen gewöhnlich von der großen Masse des Publikums beigelegt wird. Das können wir nicht mehr rückgängig machen, das entzieht sich unserer Kompetenz und wenn der heutige Delegiertentag hundertmal beschließt, wir wollen nicht unneutral werden, das glaubt uns kein Hutmacher, und ob man darin so ganz unrecht hat, weiß ich auch nicht. Jedenfalls kann in der jetzigen Zeit von einer derartigen Statutenänderung unter Aufrechterhaltung der Neutralität vernünftigerweise gar keine Rede sein. Darüber kann nicht gesprochen werden. Ich bin sehr erstaunt, weshalb man nun eine derartig wichtige Sache gerade in dieser Weise in einen: Zeitpunkte durchsetzen will, wo uns das Wasser bis an die Nase steht, wo wir uns kaum zu rühren wissen, wo wir an positiver jüdischer Arbeit soviel zu leisten hätten, daß wir hier eine Woche lang zusammen tagen könnten. Nun haben wir einen ganzen Tag damit versäumt, uns über den Begriff „vaterländische Gesinnung" den Kopf zu zerbrechen, trotzdem feststeht und einwandsfrei bewiesen ist, daß wir alle auf deutsch-vaterländischem, d. h. auf einem Boden stehen, der uns mit unserer Heimat als einem Ganzen untrennbar verschweißt hat. Das zweite Bedenkeg ist rein onomatopoetischer Art. Das Wort „vaterländisch" hat einen Beigeschmack, der im Zusammenhang mit Juden geradezu grotesk wirkt. (Sehr richtig!) Haben Sie denn