Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 135 (sequence 111)
- Language
- German
- Belongs to
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— 135 — dererseits die Verpflichtung, alles Einigende^ alles, was irgendwie einigen kann, unter diesen Umständen, in denen wir heute leben, soweil das nur möglich ist, hervorzuholen und zu betonen. Ich verstehe die Gefühle, die die Antragsteller bewogen haben, zu sagen: Heute, wo unser Vaterland am Boden liegt, wo es geknechtet ist, wo sich jeder kleine Staat erlauben darf, auf seinem Rücken herumzutanzen, kann man verlangen, daß jeder sich rückhaltlos zum Deutschtum bekennt. Meine Damen und Herren! Dem stimme ich vollständig zu. (Beifall.) Und wenn es Konjunkturmenschen gibt — es gibt auch solche unter den Christen, ich habe das in der Pfalz erlebt (sehr richtig!) —, die jetzt in dieser schmählicher Lage es vorziehen, ihr Vaterland zu verlassen, so sind das Schufte, auf die wir keine Rücksicht zu nehmen brauchen. (Sehr richtig! und lebhafter Beifall.) Diese Leute brauchen uns aber nicht zu veranlassen, unsere Ztatuten zu ändern, wodurch andere wertvolle Elemente von uns abgestoßen werden und werden müssen. (Beifall.) Meine Damen und Herren! Ich habe hier offen bekannt, daß ich auf diesem Boden geboren bin, in ihm wurzele und daß ich mein Recht hier jedem gegenüber vertreten und auch weiterhin vertreten werde, ohne daß ick es auf meine Visitenkarte zu schreiben brauche. Ich werde trotze dcni imstande sein, das zu erreichen, was ich in Anbetracht meiner Kräfte erreichen kann. Wir haben auch unsere Gesinnung in der Resolution, die heute, erfreulicherweise einstimmig, angenommen wurde, in genügender*Weise zum Ausdruck gebracht. Wir haben getan, was zu tun war. Meine Herrschaften: zuviel Ehre ist eine halbe Schande. Zu starke Betonung von Selbstverständlichkeiten — es ist heute schon viel darüber geredet worden — erweckt den Verdacht des Gegenteils. (Beifall.) Diesen Verdacht brauchen wir nicht zu verstärken.^ Meine Damen und Herren! Mit Rücksicht auf die kurze Redezeit muß ich mich sehr kurz fassen, kürzer als es meine Absicht war. (Lebhafte Zurufe: Weiterreden!) Es ist gesagt worden, die Neutralität hätte ihre Grenzen, die Neutralität hindere am Arbeiten. Das ist von jemand gesagt worden, der vor etwa 4 Monaten in Mannheim die begeisterndste Rede über die Neutralität gehalten hat, die ich je gehört habe und die ich Wort für Wort unterstreichen kann. Meine Damen und Herren! Es tut mir wirklich in der Seele weh', wenn ich einen solchen Stimungswechsel seh'l Denn der Gedanke der Neutralität, der richtig verstandenen Neutralität — und ich möchte hier in Klammern bemerken, daß leider noch nicht alle Verbandsmitglieder und Lerbandsvereine diesen Gedanken richtig erfaßt haben — ist viel wertvoller als Zionismus und Centralverein und vieles andere innerhalb des Judentums. (Beifall.) 1. Gefühlsmäßig! Sämtliche Vereine, die auf diesem Boden g e- ' gründet wurden, hängen in der Mehrzahl, ich darf wohl sagen in der Mehrzahl, bei uns in Süddeutschland ausschließlich, mit einer geradezu fanatischen Begeisterung daran. Bei der Indolenz der jüdischen Masse gibt eine derartige Erscheinung zu denken, und da