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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-05-01 · 2 (5.1919) · p. Seite 110

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
2 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 110 (sequence 86)
Language
German
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110 wir noch 16 Redner reden lassen, dann sind diejenigen Damen und Herren, die keine ganz gediegenen gewerbs- und gewohnheitsmäßigen Parlamentarier sind, überhaupt nicht mehr imstande, einen klaren Gedanken zu fassen: das ist ganz ausgeschlossen rein physisch, rein medizimsch, obwohl ich kein Mediziner bin. Wir nützen der Aussprache nicht, wenn wir ins Endlose hinein dieselben Punkte wiederholen lassen — und das geschieht nämlich —, sondern wir erreichen nur das, daß zuni Schluß in den Köpfen der Delegierten, die infolge des plötzlich gestellten. Antrages heute sowieso vor einer ganz neuen Situation stehen und deren Entschlußfähigkeit nicht geschwächt, sondern. gestärkt werden muß, ein klares Bild meistens nicht mehr entstehen kann. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß wenn noch drei Redner dafür sprechen und drei Redner dagegen, die Neutralitätsfragc und damit die zusammenhängenden Fragen: Palästinafrage und Kongreßfragc, in welchen ja bis jetzt wenig Differenzpunkte aufgetaücht sind, derartig geklärt werden können, daß wir dann zu einer Abstimmung gelangen können und daß diese Abstimmung dann ein viel klareres und deutlicheres Bild der tatsächlichen Stimmung der Delegierten bilden wird, weil eben die Delegierten noch' imstande sind, sich eine Mcinunss zu bilden, was ich bezweifle, wenn bis beute abend 6 Uhr oder ^>9 Uhr immer dasselbe hier wiedtzxholt wird. Di-, Ehrlich-Tilsit (zur Geschäftsordnung): Ich Üikte, gegen den Antrag Königsberger zu stimmen. Es sind heute vormittag fast lauter Gegner des Antrages des Verbandsvorsitzenden zu Worte ge», kommen. (Lho!) Auch heute nachmittag sind nur sehr wenige Anhänger dieses Antrages zu Worte gekommen. Ich glaube, wenn wir paritätisch Vorgehen und drei dafür und drei dagegen reden lassen, so sind meines Erachtens die Stimmen nicht zu Worte gekommen, die eventuell noch vieles dazu zu sagen hätten, was eben für den Antrag spricht. Es kommt nicht darauf an, daß drei dafür und drei dagegen sprechen, sondern es kommt darauf an, daß wir die Stimmung der ganzen Versammlung kennen lernen, und die kommt erst dann zn:n Ausdruck, wenn wir hören, was diejenigen hier sprechen, die noch auf der Rednerliste stehen. Wenn Sie glauben, daß später in der Abstimmung diese Stimmung sich kenntlich macht, so mögen Sie recht haben. Aber diese Stimmung kann eben erst dann richtig zur Geltung kommen, wenn diejenigen, die später abzustimmen haben, auch das angehört haben, worüber sie später abstimmen. Infolgedessen bin ich gegen den Antrag Königsberger. (Sehr richtig!) Vorsitzender Dr. Apfel: Ich mache Sie auf den Ernst der Situation aufmerksam. Die Sachlage ist durch, die Debatte nach meinem Gefühl noch lange nicht geklärt. Ich persönlich habe sehr gewichtige Erklärungen abzugeben, die ich aber viel lieber abgeben möchte, nachdem ich noch eine Reihe der Damen und Herren, die die Verbandsvereine vertreten, gehört habe. I)r. Heilbronn-Nürnberg (zur Geschäftsordnung): Meine Damen und Herren! Die süddeutschen Vereine find noch gar nicht zu Worte gekommen. Ich protestiere dagegen ganz entschieden, daß die Zahl ocr Redner beschränkt werden soll.

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