Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 99 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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99 haben, Aufnahme in diesen Kongreß gewähren soll. Trotzdem icf» sonst in prinzipiellen Fragen ganz anders gesinnt bin als mein Vorredner, bin ich unbedingt dafür, daß man die'Kluft, die in den vergangenen Jahrzehnten durch eine verfehlte Regierungspolttik künstlich geschaffen worden ist, nicht von unserer Seite verbreitert ■ (Beifall,), sondern, daß man denjenigen ausländischen Juden, die hier ihr Heimatrecht kraft Naturrechte erworben haben, dasselbe Recht gibt wie uns. die wir auch durch ein formelles Staatsbürgerrecht heimatberechtigt sind. (BeksM.) Es bleibt also höchstens die Frage, ob man fluktuierende Elemente fern halten soll, um dem Kongreß eine geivisse Stetigkeit zu sichern. Tiefe Frage ist aber von so untergeordneter Bedeutung, daß wir sie zunächst zurückstellen können. Der wichtigste Punkt unserer heutigen Tagesordnung ist die Stellung zu den 88 1 und 2 unserer Verbandssatzung. Ich habe das betrübende Gefühl, daß wir zu dieser Frage bisher aneinander vorbeigeredct haben: (Sehr richtig!) Man hat hier Kämpfe aufgeführt, die offenbar in den letzten Versammlungen einzelner Vereine' auf einer Grundlage durchgefochten worden sind, die heute garnicht zur Erörterung steht. Ich gebe zu — und dieser Vorwurf trifft die Verbandslejtung 7—, daß die heutige Verhandlung in ^echt unzureichender Weise vorbereitet ist (Sehr richtig!), daß insbesondere die turze Begründung, die vorher hinausgegangen ist, nicht das hat klar erkennen lassen, was vr. Apfel eigentlich gewollt hat. Ich gebe ohne weiteres zu, daß die meisten von Ihnen daraus entnehmen konnten, daß er die Grundlage der Neutralität aufgeben wollte. Doch, weine Rainen und Herren, wir wollen uns hier nicht über das^-was gewesen ist. unterhalten: wir haben es heute mit einer durchaus anderen Aragc zu tun, als Sie auf Grund des Apfelschen Rundschreibens aniwhine», und deshalb richte ich den dringenden Appell an Sie: Machen Die sich ftei pon Debatten und von Reden, die Sie für diese Tagung vorbereitet hgben mögen, und halten Sie sich unbedingt-an das, was jetzt zu ihrer Entscheidung gestellt ist! Noch eins: Halten Sie sich auch frei von jeder persönlichen Verstimmung und von jedem engherzigen. parteimäßigen Gesichtspunkt! Wir haben, indem wir uns ' auf dem Grund und Boden der parteimäßigen Neutralität zusam- 'meugefunden haben, die Verpflichtung auf uns genommen, uns in geivissen Dingen besondere BesHränkung aufzuerlegen. Wollen wir die jüdische Jugend Deutschlands in einheitlicher Geschlossenheit zusaiiimenhalten. dann muß der einzelne darauf verzichten,' gerade seine persönliche Note dem ganzen aufzunötigen; wir müssen vielmehr suchen, uns die Grundlage zu erhalten, auf der alle Individuen trotz ihrer Verschiedenheit ohne Gewissenszwang weiter zusammen arbeiten können. Dies setzt voraus, daß man vor allem den Gegner zu verstehen sucht. 'Die bisherigen, allzusehr auseinanderstrebenden Reden haben uns freilich in der Kunst, unsereverschiedenen Standvlinkte zu verstehen, nicht vorwärts gebracht. Damit wir unS wieder näher kommen, bitte ich Sie dringend: Hören Sie das, was Ihnen gesagt wird, einmal in Ruhe, unbefangen, ohne die voreingenommene